Fuchs, Johann Nepomuk (1842–1899), Komponist, Dirigent und Pädagoge

Fuchs Johann Nepomuk, Komponist, Dirigent und Pädagoge. Geb. Frauenthal (Frauental an der Lassnitz, Steiermark), 5. 5. 1842; gest. Vöslau (Bad Vöslau, Niederösterreich), 5. 10. 1899. Sohn von →Patriz Fuchs (s. u. →Robert Fuchs) und Maria Fuchs, geb. Rothleitner (1800–1874), Bruder von Robert Fuchs und Maria Antonia Fuchs (geb. 1. 3. 1828; gest. Graz, Steiermark, 1906), der „Sulmtaler Nachtigall“, Vater von →Hans Maria Fuchs, Onkel von →Hans Kloepfer; verheiratet mit der Sängerin Antonia Exner (geb. Kassel, Kurhessen / D, 1850; gest. Wien, 1896). – F. absolvierte das Gymnasium in Graz und studierte dort 1862/63 ein Semester Rechtswissenschaften. Er leitete als erster Chormeister gemeinsam mit →Friedrich von Hausegger den Grazer Akademischen Gesangverein. 1863 übersiedelte er nach Wien und wechselte nach einem Semester zum Studium der Musiktheorie bei →Simon Sechter. Nach Abschluss seines Musikstudiums erhielt er 1864 eine Stelle als Theaterkapellmeister an der Oper in Pressburg, 1866 war er in Temeswar und Augsburg verpflichtet, weitere Stationen waren 1872 Brünn (wo seine Oper „Zingara“ Premiere hatte), Kassel, 1873 Köln, Leipzig (Carolatheater) und 1875–79 Hamburg: Dort hatte er überaus großen Erfolg mit der Einstudierung von Wagners „Ring des Nibelungen“, und es folgte seine Berufung als Kapellmeister an die Wiener Hofoper 1880, wo er auch Direktor →Wilhelm Jahn bei der Auswahl neuer Werke beriet. Im September 1888 trat er die Nachfolge von →Felix Otto Dessoff als Professor für Komposition am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien an. Einer seiner bedeutendsten Schüler war Alexander von Zemlinsky. Nach dem Tod von Joseph Hellmesberger d. Ä. 1893 zum Direktor des Konservatoriums ernannt, begründete er dort den Musiklehrerbildungskurs und führte Stimmbildungskurse für angehende Gesangspädagogen ein. Weniger Erfolg hatte F. als Komponist, doch erntete er viel Lob für seine Bearbeitungen von Opern wie „Der betrogene Kadi“ (Gluck), „Almira“ (Händel), „Alfons und Estrella“ (Schubert), „Bastien und Bastienne“ sowie „La finta giardiniera“ (Mozart). F. war auch Mitherausgeber der großen Schubertausgabe von Breitkopf & Härtel: Er sorgte für die Revision der musikdramatischen Werke. 1894 erhielt er den Titel Vizehofkapellmeister verliehen, darüber hinaus wurde er 1889 mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und 1897 mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet.

Weitere W.: s. MGG I, II; Suppan.
L.: NFP, 6. 10. 1899 (auch Abendblatt); Grove, 1980; MGG I (mit Bild), II (beide mit W.); NDB; Suppan (mit W.); Bericht über das Conservatorium für Musik und darstellende Kunst … 1888–89ff., 1889ff.; A. Mayr, Erinnerungen an Robert F., 1934, s. Reg.; M. Kreuz, Robert F., phil. Diss. Wien, 1994, S. 17ff.; F. Fauland – H. M. Fuchs – K. Reiterer, Drei aus dem Sulmtal, bearb. H. Blatnik – W. Weisi, 1994, S. 95ff. (mit Bild, auch von Hans Maria F. und Maria Antonia F.).
(R. Müller)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 4, 1956), S. 379
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