Fürth, Jaro; eigentl. Jaroslav Edwin Fürth (1871–1945), Schauspieler

Fürth Jaro, eigentl. Jaroslav Edwin Fürth, Schauspieler. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 21. 4. 1871; gest. Wien, 12. 11. 1945; mos. Sohn des Prager Kaufmanns Leopold Fürth. – F. begann 1892 ein Jusstudium an der deutschen Universität Prag, das er in den Sommersemestern 1895 und 1896 an der Universität Wien fortsetzte. Vom Wiener Hofschauspieler Alexander Römpler entdeckt, besuchte er 1902–04 das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, um sich zum Schauspieler ausbilden zu lassen. Anschließend ging er mit einigen Ibsen-Stücken auf Tournee nach Schweden, Norwegen, Dänemark und Russland. In Kopenhagen war er mehrfach Partner der berühmten finnischen Schauspielerin Ida Aalberg. 1905 trat F. am Deutschen Volkstheater in Wien sein erstes Festengagement an und blieb diesem Ensemble bis 1920 verbunden. Während des 1. Weltkriegs knüpfte er erstmals Kontakt zum Film. 1920 ging F. nach Berlin, wo er unter Max Reinhardts Leitung meist kleine Rollen wie den Kapitän Burke in „Das Zeichen an der Tür“ spielte. Eine seltene Hauptrolle verkörperte er 1923 als von Grailsheim im Schwank „Das Krokodil“. Vor allem stand F. jedoch vor der Kamera. Im Film stellte er überwiegend gesetzte, alte Männer dar: Väter, Faktoten und Honoratioren. Sein berühmtester Leinwandpart wurde 1925 der verarmte Hofrat Rumfort in G. W. Pabsts legendärem Wiener Zeitbild „Die freudlose Gasse“ – mit Greta Garbo in der Rolle seiner Tochter. F. musste als Jude 1933 Deutschland verlassen und kehrte nach Wien zurück. Dort fand er ab 1934 kaum mehr Beschäftigung, im August 1937 konnte er kurzzeitig beim Rundfunk unterkommen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 blieb F., von den Nationalsozialisten als „Volljude“ klassifiziert und Ende Juli 1938 aus der NS-Reichstheaterkammer ausgeschlossen, bis Frühsommer 1942 in Wien und lebte dort zuletzt in ärmlichsten Verhältnissen. Mitte Juli 1942 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert. Trotz seines hohen Alters überstand F. die Lagerstrapazen und kehrte nach der Befreiung 1945 nach Wien zurück. Dort starb er wenig später.

Weitere Theaterrollen: Johannes Rosmer (H. Ibsen, Rosmersholm); Ejlert (ders., Hedda Gabler); Wagner (J. W. v. Goethe, Faust); erster Totengräber (W. Shakespeare, Hamlet); Kammerdiener (F. v. Schiller, Kabale und Liebe); Alexander (A. Strindberg, Luther). – Weitere Filmrollen (s. auch Weniger 2001, 2008) in: Abendsonne, 1916; Licht und Schatten, 1919; Geld auf der Straße, 1921; Der falsche Dimitry, 1922; Bohème, 1923; Arabella 1924; Überflüssige Menschen, 1926; Die Unehelichen, 1926; Der alte Fritz, 1927; Fräulein Else, 1929; Der Herzog von Reichstadt, 1931; Der träumende Mund, 1932; Unsichtbare Gegner, 1933; Sonnenstrahl, 1933; Kleine Mutti, 1934.
L.: K. Mühsam – E. Jacobsohn, Lexikon des Films, 1926; K. Weniger, Das große Personenlexikon des Films 3, 2001 (m. Filmographie); ders., Zwischen Bühne und Baracke, 2008, S. 125f. (m. Filmographie); DÖW, Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, MA 8, UA, alle Wien; UA Praha, CZ.
(K. Weniger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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