Gablenz, Ludwig Frh. von (1814-1874), Feldmarschalleutnant

Gablenz Ludwig Frh. von, General. * Jena, 19. 7. 1814; † Zürich, 28. 1. 1874. Trat 1833 bei den Savoyen-Dragonern in die österr. Armee ein, 1845 Rtm. im Kürassierrgt. 6, bewährte sich in den Feldzügen 1848/49 in Italien und Ungarn (1849 mit dem Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet), zuletzt Komm. beim russ. Hilfskorps. Damit begann die lange Reihe wichtiger polit.-milit. Funktionen, die G.s Aufstieg besonders kennzeichnen. Er wurde in die Umgebung des Ministerpräs. Fürst Felix Schwarzenberg berufen und im Rahmen von dessen dt. Bundespolitik zu wichtigen Missionen nach Dresden und Hamburg ausersehen (1850/51), woran sich eine längere Reise als Begleiter von FM Hess in das befreundete Rußland anschloß. Daraufhin erhielt G. die Leitung des Statist. Büros im Generalstab. Während des Krimkrieges nahm er als GM an den Operationen zur Sicherung der Donaufürstentümer gegen Rußland teil und wurde Truppenkmdt. in der besetzten Moldau mit dem Sitz in Jassy, wo er umfangreiche diplomat. Verhandlungen zu führen hatte (1854–56). Nach einer friedensmäßigen Verwendung als Brigadier in Ostgalizien, Triest und Oberitalien Chef der Avantgarde im Mobilmachungsplan für den bevorstehenden Austro-Sardin.-Französ. Krieg 1859. Das Einleitungsgefecht bei Casale, seine Teilnahme an den unglücklichen Schlachten von Magenta und Solferino und noch sein letzter lokaler Erfolg bei Villafranca bestätigten seinen soldat. Ruf. 1862 FML, blieb er im Verband der Armee und wirkte an ihrer Reorganisierung mit. Als sich der K. zur Teilnahme an der preuß. Expedition gegen Dänemark 1864 entschloß, erhielt G. den Oberbefehl über das eigens dafür aus dt.-alpenländ., magyar., poln. und tschech. Einheiten zusammengestellte 6. Armeekorps und rehabilitierte durch seine winterlichen Taten am Danewerk, bei Översee und Veile, später durch die Einnahme von Fridericia und zuletzt durch die Überschreitung des Limfjords in Nordjütland das kriegerische Ansehen der Monarchie. G.s Betrauung mit dem Befehl über das 5. Armeekorps in Verona war nicht von langer Dauer, denn in Ausführung des Gasteiner Vertrags vom 14. 8. 1865 erhielt er die für die internationale Stellung der Donaumonarchie hoch bedeutsame Statthalterschaft in Holstein. Mit sichtbarem Erfolg nahm sich G. neun geschichtlich krisenhafte Monate lang auch seiner zivilen Aufgaben an und bemühte sich um Belebung aller Verwaltungszweige im Rahmen der autonomen holstein. Landesverwaltung. Polit. stützte er sich auf den gemäßigten Flügel der Landespartei, versagte sich aber ebenso allen Versuchen einer revolutionären Thronerhebung des Thronprätendenten Herzog Friedrich von Augustenburg wie Störungen zugunsten einer preuß. Annexion. So blieb es bis zur unversehrten Rückführung der österr. Besatzungstruppen unmittelbar vor Ausbruch der österr.-preuß. Feindseligkeiten. Im Sommerfeldzug 1866 erfocht G. mit seinem 10. Armeekorps den einzigen österr. Erfolg bei Trautenau, nahm in Ehren an der Entscheidungsschlacht von Königgrätz teil, wurde zwecks Herbeiführung eines Waffenstillstandes ins preuß. Hauptquartier entsandt und noch zuletzt mit der Verteidigung des Brückenkopfes Wien-Floridsdorf betraut. Nach dem Friedensschluß erhielt G. im Zuge der dualist. Neuordnung neue wichtige Aufträge. Er war Statthalter von Kroatien und der Militärgrenze bis zu deren Auflösung und kommand. Gen. in Ungarn während der Aufstellung der Honvéd. 1870 Gen. d. Kav. Nachdem G. noch zu Berlin in Gesprächen mit Bismarck eine dauerhafte Verständigung Berlin-Wien anbahnen konnte, trat er auf eigenes Ersuchen am 28.11.1871 in den Ruhestand. Er stellte sich nun einem finanziellen Unternehmen zur Verfügung, das 1873 Bankrott machte. Dadurch schwer getroffen und längst nervenleidend, beging G. Selbstmord in der Schweiz. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Mitgl. des Herrenhauses.

L.: C. Junck, Aus dem Leben des k. k. Generals der Kavallerie L. Frh. v. G., eine biograph. Skizze, nach den Mitt. des Gen. bearbeitet, 1874; N. Österr. Biogr. 8; R. Lorenz, L. Frh. v. G., ein dt. Soldat im 19. Jh., 1936; ders., G. in Holstein, in: Z. der Ges. für schlesw.holst. Geschichte, Bd. 58, 1929; Wurzbach.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 386f.
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