Gaj, Ljudevit (1809-1872), Politiker und Literat

Gaj Ljudevit, Politiker und Literat. * Krapina (Kroatien), 8. 7. 1809; † Agram, 20. 4. 1872. Stud. an den Univ. Wien und Graz Phil., an der Univ. Pest Jus. 1834 Dr.phil. in Leipzig. G., der schon als Gymnasiast poet. Versuche, und zwar in dt. Sprache, machte, leistete einen wesentlichen Beitrag zur Formung der serb.-kroat. Schriftsprache. Das Stud. in Pest brachte ihm die Bekanntschaft mit dem Slawisten Jan Kollár. Angeregt von damaligen kulturellen und philolog. Strömungen unter den Slawen, stellte er eine reformierte Orthographie der kajkav. Literatursprache nach tschech. Vorbild zusammen, welche die Grundlage für die heutige slow. und kroat. Rechtschreibung bildet. Nach beendigten Rechtsstud. (1830) kehrte G. nach Agram zurück, wo er, ein glänzender Redner, viele Gleichgesinnte um sich versammelte. 1834 bekam er die Bewilligung zur Herausgabe der „Novine Horvatske“ mit der literar. Sonntagsbeilage „Danica Horvatska“. Seine Idee, alle Südslawen unter dem Namen „Iliri“ (Illyrier) zu vereinigen, fand großen Widerhall; als die Regierung die illyr. Bewegung unterdrückte, zog sich G. aus dem öffentl. Leben zurück. Unter dem Banus Jelačićführte er alle diplomat. und polit. Angelegenheiten. 1848 kgl. Rat. 1853 wurde er des Hochverrates beschuldigt und in Wien eingekerkert. Völlig gebrochen, gab er jede polit. Betätigung auf. Erst 1863 versuchte er abermals die Wiederbelebung seiner Z. „Danica Ilirska“ mit demselben Gedanken wie 1835, doch auch dies mißlang.

L.: Znam. Hrv.; Nar. Enc. 1; SBL 1; Otto 10; Wurzbach; A. Barac, Hrvatska književnostod Preparoda do stvaranja Jugoslavije. I. Književnost ilirizma, 1954.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 393
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