Galura, Bernhard (Bernard); bis ca. 1786 Katzenschwanz (1764–1856), Fürstbischof

Galura Bernhard (Bernard), bis ca. 1786 Katzenschwanz (dann Gräzisierung seines Familiennamens), Fürstbischof. Geb. Herbolzheim, Vorderösterreich (D), 21. 8. 1764; gest. Brixen, Tirol (Brixen/Bressanone, I), 17. 5. 1856; röm.-kath. Sohn des Bauern und Gastwirts Johann Martin Katzenschwanz und dessen Frau Anna Katharina Katzenschwanz, geb. Zehe. – G. besuchte das Gymnasium in Villingen und trat 1779 in das Franziskanerkloster in Breisach ein, wo er nach dem Noviziat philosophische Studien betrieb. Nach Aufhebung der Klosterschulen und Diözesanseminare studierte er ab 1783 an der Universität Freiburg im Breisgau. 1787–88 hielt er sich in Wien auf, um sich Methoden des Religionsunterrichts anzueignen; 1788 Priesterweihe in Wien. Anschließend war G. bis 1790 Studienpräfekt am Generalseminar in Freiburg. Nach der Promotion zum Dr. theol. 1790 in Freiburg und der Ernennung zum Münsterpfarrer 1791 begann für ihn eine überaus fruchtbare Zeit als Schriftsteller. Er widmete sich hauptsächlich der Katechese, für die er die „Grundsätze der sokratischen Katechisiermethode“ (1793, mehrfach aufgelegt) verfasste, die auf den Vorkenntnissen von Kindern aufbaute. 1796–99 entstand sein Kommentar zum österreichischen Normalkatechismus von 1777. Darauf folgten seine sechsbändige „Neueste Theologie des Christenthumes ...“ (1800–04) und später „Die christkatholische Theologie nach der Idee vom Reiche Gottes“ (6 Bde., 1844–45) als Grundlage für eine kerygmatische Theologie. Nachdem G. für kurze Zeit als Regierungsrat und Referent für geistliche Angelegenheiten in Günzburg gearbeitet und einen Ruf als infulierter Propst und Direktor an die theologische Fakultät in Krakau abgelehnt hatte, wurde er 1810 Pfarrer von St. Martin in Freiburg. 1815 ging der dem österreichischen Kaiserhaus verbundene G. als Gubernialrat und Referent für das Kirchenwesen nach Innsbruck. Während dieser Zeit wurden die Diözesen Brixen und Trient neu umschrieben. Ende 1818 ernannte ihn der Brixner Fürstbischof Franz Karl von Lodron zum Generalvikar von Vorarlberg und erbat ihn zum Weihbischof. Nach der Ernennung zum Titularbischof von Anthedon im Dezember 1819 wurde er Ende Jänner 1820 von Lodron in Brixen geweiht, um im März desselben Jahres sein Amt in Feldkirch anzutreten. G. besaß die Rechte eines Generalvikars und des Gebrauchs der Pontifikalien, unterstand aber der Bistumsverwaltung in Brixen. Er bereiste bereits im ersten Amtsjahr seinen Sprengel und spendete in den Gemeinden zum Teil nach 30-jähriger Unterbrechung erstmals wieder das Sakrament der Firmung. Obwohl er seine schriftstellerische Tätigkeit immer stärker einschränken musste, verfasste er noch das „Lehrbuch der Christlichen Wohlgezogenheit“ (1823, 7. Aufl. 1864). Nach dem Tod Lodrons wurde G. im April 1829 zum Fürstbischof von Brixen nominiert (päpstliche Bestätigung im September, Inthronisation im Dezember desselben Jahres). Zur Tiroler Landesregierung in Innsbruck unterhielt er im Gegensatz zu seinem Vorgänger gute Beziehungen. G., der sich in allen wichtigen Fragen auf den Rat seiner Mitarbeiter stützte, visitierte seine Diözese nicht förmlich und ließ erst 1845 eine Visitation durchführen. Da die Tiroler seine Heimatmundart schwer verstanden, reduzierte er seine anfangs intensive Predigttätigkeit allmählich und widmete sich umso mehr der Kanzleiarbeit. Er bemühte sich um die Neuetablierung der Bruderschaften und förderte die in Tirol traditionellen Volksmissionen. Die theologische Lehranstalt in Brixen führte er durch die Berufung vortrefflicher Professoren zu einer Blütezeit. Gegenüber der 1837 vollzogenen Ausweisung der Zillertaler Inklinanten verhielt sich G. zurückhaltend. 1838 gab die Regierung der bischöflichen Mensa die während der Säkularisation verloren gegangene Herrschaft Veldes in Krain zurück. Die revolutionären Ereignisse von 1848 nahm G. zwar mit Bestürzung zur Kenntnis, doch reagierte er zunächst mit einem sehr maßvollen Hirtenschreiben. Erst nach Aufhebung der Redemptoristen- und Jesuitenklöster verfasste er einen scharfen Hirtenbrief, der jedoch wahrscheinlich nie veröffentlicht wurde. Bis 1851 leitete G., der im Alter fast völlig erblindete, sein Bistum persönlich, danach ging die Leitung sukzessive an den Konsistorialkanzler Kaspar Rauter über. Obwohl noch dem Josephinismus verbunden, prägte er als Pädagoge und Prediger sein Bistum nachhaltig. Als Person schon zu Lebzeiten hochangesehen, blieb sein Werk für die moderne Katechese von grundlegender Bedeutung.

Weitere W.: s. J. Hemlein, B. G.s Beitrag zur Erneuerung der Kerygmatik, 1952, S. XIff. (mit Bild).
L.: Dolomiten, 17. 5. 2006; Gatz, Bischöfe (mit Bild); NDB; P. Rainer, Die Diözese Brixen im Vormärz, phil. Diss. Wien, 1968, S. 180ff. (mit Bild); G. Biemer, in: Katholische Theologen Deutschlands im 19. Jahrhundert 1, ed. H. Fries – G. Schwaiger, 1975, S. 227ff.; J. Gelmi, Die Brixner Bischöfe in der Geschichte Tirols, 1984, S. 226ff. (mit Bild).
(J. Gelmi)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 396f.
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