Ganglbauer (Ganglbaur), Cölestin (Joseph) (1817–1889), Fürsterzbischof und Kardinal

Ganglbauer (Ganglbaur) Cölestin (Joseph) OSB, Fürsterzbischof und Kardinal. Geb. Schiedlberg (Oberösterreich), 20. 8. 1817; gest. Wien, 14. 12. 1889; röm.-kath. Sohn des Kleinbauern und Pferdehändlers Johann Ganglbaur und seiner Ehefrau Katharina Ganglbaur, geb. Weinberger. – G. besuchte 1830–36 das Stiftsgymnasium Kremsmünster, dann weitere zwei Jahre das dortige Lyzeum. 1838 trat er als Novize in das Benediktinerstift Kremsmünster ein. Nach einem Theologiestudium an der Diözesanlehranstalt in Linz (1839–43) legte er 1842 die Ordensgelübde ab; 1843 Priesterweihe. G. wirkte in der Folge 1843–46 als Kaplan in Neuhofen an der Krems, ehe er 1846–54 die Grammatikalklassen am ordenseigenen Stiftsgymnasium unterrichtete. 1855 erhielt er die Lehrbefähigung für Religion, woraufhin er auch dieses Fach betreute. 1855–67 Konviktspräfekt und 1865–70 Professor der philosophischen Propädeutik, stand er 1867–75 dem Stiftskonvikt als Direktor vor. Nachdem er 1875–76 als Prior und Rentmeister fungiert und nach dem Tod von Abt →Augustin Reslhuber die Administration des Stifts übernommen hatte, wurde er 1876 zum 69. Abt von Kremsmünster gewählt. In seine Amtszeit fielen die Renovierung von Kloster und Stiftskirche sowie die 1100-Jahr-Feier des Stifts (1877), durch welche Kaiser →Franz Joseph I. auf ihn aufmerksam wurde. Als Abt war er Mitglied des Herrenhauses, zudem fungierte er als Präsident der oberösterreichischen Landwirtschaftsgesellschaft. Die Nominierung von G. zum Fürsterzbischof von Wien als Nachfolger →Johann Rudolf Kutschkers im März 1881 erfolgte – auch für den Kandidaten selbst – völlig überraschend, die päpstliche Ernennung traf im August ein, obwohl Rom zunächst Bedenken geäußert hatte. Die Bischofsweihe in Kremsmünster nahm noch im selben Monat Nuntius Serafino Vannutelli vor. Nachdem er als Abt resigniert hatte, fand im September 1881 G.s Inthronisation in Wien statt. G. hatte den Ruf eines konzilianten, neo-josephinischen Bischofs, der jegliche Konflikte mit den Liberalen vermied und deshalb in Rom nicht sehr angesehen war. Zu Beginn seiner Amtszeit weihte er das nach Hollabrunn verlegte Knabenseminar ein. Dem Wiener Priesterseminar gab er mit Regens →Gustav Müller eine prägende Führungsgestalt. Im Herrenhaus setzte er sich für eine Regelung der Klerusbesoldung ein, 1885 wurde das provisorische Kongruagesetz beschlossen. G. war ab 1881 auch Mitglied des niederösterreichischen Landtags. In seine Amtszeit fiel 1883 das 200-jährige Gedenken an die Befreiung Wiens von den Türken, dessen Höhepunkt ein Pontifikalamt im Wiener Stephansdom bildete. Im Marienchor des Doms wurde ein Marienaltar als Dank für die Rettung Wiens errichtet. Ein ebenfalls von G. initiiertes und von →Edmund von Hellmer entworfenes Denkmal für die Halle der Westseite des Doms wurde allerdings erst 1894 von seinem Nachfolger enthüllt. 1883 weihte er in Berndorf die von den Industriewerken Krupp und Schöller errichtete Kirche, 1884 wurde das 500-Jahr-Jubiläum der Wiener theologischen Fakultät mit einem von G. zelebrierten Festgottesdienst in der Universitätskirche begangen. Im November 1884 erhielt G. die Kardinalswürde, dabei wurde ihm die Titelkirche SantʼEusebio zugewiesen. 1885 protestierte er gegen zwei im Künstlerhaus ausgestellte Gemälde des russischen Malers Wassili Wereschtschagin, weil er darin die religiösen Gefühle der Gläubigen verletzt sah und rief zu einer Sühnefeier im Stephansdom auf. 1889 wies G. in einem Hirtenschreiben das Freimaurertum schroff zurück und schloss sich dem päpstlichen Protest gegen die Enthüllung des Giordano-Bruno-Denkmals auf dem Campo de’ Fiori in Rom an. Als Bischof von Wien setzte er sich für einen häufigeren Kommunionempfang und für Trauungen in Verbindung mit der heiligen Messe ein. Er gab ein neues Diözesanrituale heraus und nahm sich besonders des Kirchengesangs wie auch der Orgelmusik an. Des Weiteren förderte er das katholische Vereinsleben und war Protektor wie auch Ehrenmitglied der Studentenverbindung Austria Wien. Unter G. kam es zudem zur lang erwarteten Gründung eines Wiener Kirchenbaufonds (später Kirchenbauverein), der rasch Verbreitung fand. G. trat wie die Bischöfe seiner Zeit für die Konfessionsschule ein und war Protektor des Katholischen Schulvereins. 1886 wurde erstmals ein Pilgerzug nach Lourdes unter der Schirmherrschaft G.s geführt. Noch im Frühjahr 1889 konnte der 2. Österreichische Katholikentag in Wien abgehalten werden, dessen Redner die schwelende soziale Frage aufgriffen. Schon zuvor hatte G. im Fastenhirtenbrief dazu Stellung bezogen. Wenige Tage vor seinem Tod konnte der häufig kränkliche G. noch die von ihm unterstützte Gründung der Wiener Kongregation der Kalasantiner durch P. →Anton Maria Schwartz miterleben. 1881 erhielt er das Ehrendoktorat der katholisch-theologischen Fakultät Wien.

L.: Adlgasser; Bautz; Gatz, Bischöfe (mit Bild); F. Loidl, in: Beiträge zur Wiener Diözesangeschichte 5, 1964, S. 9ff., 25ff., 33ff., 41ff., 6, 1965, S. 41; J. Lenzenweger, in: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 12, 1977, S. 121ff.; F. Loidl, Geschichte des Erzbistums Wien, 1983, s. Reg.; H. Slapnicka, Oberösterreich – Die politische Führungsschicht 1861 bis 1918, 1983 (mit Bild); Biographia Benedictina (mit Bild, online, Zugriff 4. 6. 2018); Biographisches Lexikon des Österreichischen Cartellverbands (mit Bild, online, Zugriff 4. 6. 2018); Pfarre Schiedlberg, Oberösterreich.
(M. Sohn-Kronthaler)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 400f.
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