Geyer, Georg (1857-1936), Geologe

Geyer Georg, Geologe. * Schloß Auhof b. Blindenmarkt (N.Ö.), 20. 2. 1857; † Wien, 25. 11. 1936. Stud. an der Techn. Hochschule Graz und an der Bergakad. Leoben, trat 1882 in die geolog. Bundesanstalt ein, dort 1900 Chefgeologe, 1920–23 Dir., 1912 Regierungsrat, 1921 Hofrat. Mitgl. der Akad. d. Wiss. in Wien. Bis zu seiner Ernennung zum Dir. der Anstalt war er vornehmlich als Feldgeologe in den Alpen tätig; seinen Aufnahmen verdanken wir die wertvollsten kalkalpinen Kartenblätter der letzten großen Aufnahmsperiode der k. k. Geolog. Reichsanstalt, die vor allern auch heute noch als grundlegend angesehen werden und unentbehrlich sind; auch auf die paläoz. Kette der Karn. Alpen und die angrenzenden Teile der Südlichen Kalkalpen erstreckten sich seine vorbildlichen Aufnahmen; die Anzahl seiner Spezialaufnahmsblätter ist schon als Zeugnis für eine außerordentliche tourist. Leistung nahezu einzig dastehend. Auf stratigraph. Gebiet ist zunächst die Entdeckung der klass. Oberkarbontransgression in den Karn. Alpen zu erwähnen; er erarbeitete aber vor allem in der Trias (Karn. Stufe), im Jura (Tithon) und in der tieferen Kreide (Neokom) klare Schichtfolgenbeschreibungen bzw. Durchgliederungen, die dauerndes Arbeitsgut geworden sind; auf paläontolog. Gebiet sei nur die Entdeckung der Fauna von Sappada und seine Monographie der Hierlatzschichten genannt. Weniger glücklich war er in seiner Stellungnahme gegen die Anwendung der Deckenlehre in den Nördlichen Kalkalpen und in der Frage des Zusammenhanges von Flysch und Gosau. G., auch als prakt. Geologe tätig (Bau des Bosrucktunnels, Salinarfragen), ist als Bergsteiger Typ des Überganges vom Führertouristen zum selbständigen Bergsteiger und führte seine zahlreichen Besteigungen teils mit, teils ohne Führer, oder auch allein aus. Er besuchte zahlreiche Berggruppen der Alpen: Gesäuseberge, Dachstein- und Grimminggebiet, Totes Gebirge, Niedere Tauern und Hohe Tauern, Zillertaler und Ötztaler Alpen, Ortlergruppe, Hochschwab, Karn. Alpen, Dolomiten, Adamello- und Presanellagruppe. Mitgl. des ÖAK 1882–1936; 1892 Präs. des ÖAK und Schriftleiter der ÖAZ; schließlich Ehrenmitgl. des ÖAK.

W.: Monographie der Dachsteingruppe, gem. mit F. Simony, in: DÖAV, 1881; Dachsteinführer, 1886; Kartenblätter: Oberdrauburg-Mauthen, 1901; Sillian-Santo Stefano, 1902; Weyer, 1911; Liezen, 1916; Kirchdorf, 1918; Gmunden-Schafberg, 1922; etc. Vgl. CSP 15.
L.: Wr.Ztg. vom 27. 11. 1936; Verhdlg. der geolog. Bundesanstalt, 1927, S. 65, 1936, S. 23 1ff.; Forschungen und Fortschritte 8, 1932, S. 75f.; Jb. der geolog. Bundesanstalt 1936, S. 373ff. (mit Werksverzeichnis); Montanist. Rundschau 28, 1936, H. 36; Österr. Alpenztg. 59, 1937, S. 14f.; Almanach-Wien, 1937; Carinthia II, Bd. 127, 1937, S. 109ff.; Mitt. DÖ AV NF 53 (= 63), 1937, S. 44f.; Mitt. der Geolog. Ges. Wien, 30 1937, 31, 1938, S. 195ff.; Eisenberg 2; Grundwald, n. 1854; EAO; EA; WB.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 434
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