Gilm zu Rosenegg, Hermann von (1812-1864), Schriftsteller

Gilm zu Rosenegg Hermann von, Dichter. * Innsbruck, 1. 11. 1812; † Linz, 31. 5. 1864. Alemann. Abstammung, verbrachte er seine Jugend in Vorarlberg, besuchte das Gymn. in Feldkirch, später in Innsbruck. Stud. 1830 Jus an der Univ. Innsbruck, wo er mit Johannes Schuler und Joh. Chrys. Senn verkehrte. 1836 Rechtspraktikant, seit 1840 an den Kreisämtern in Schwaz, Bruneck und Rovereto tätig. 1847 Konzeptspraktikant an der Hofkanzlei in Wien, 1850 im Min. des Innern, 1854 Statthalterereisekretär in Linz, 1856 Leiter des Präsidialbüros unter Eduard Frh. v. Bach (s. d.). Lyriker, dessen Gedichtzyklen anläßlich verschiedener Liebesbeziehungen entstanden. Märzenveilchen; Sommerfrische in Natters (Mädchenlieder: Josefine Kogler, 1837); Theodolinde (Sieben Monate: Theodolinde v. Gasteiger, 1844); Lieder eines Verschollenen, 1841/42. Seine polit. Dichtung, Jesuitenlieder (deren Anlaß die Ausweisung der prot. Zillertaler 1837 und der Bau des Innsbrucker Jesuitenkollegs waren), wurde angeregt von J. Chr. Senn. Zeitsonette aus dem Pustertal. Sophie (Sophie Petter, 1844–46). Tiroler Schützenleben, 1844–51. Lieder von den italien. Grenzen, 1845–46. Sonette an eine Roveretanerin (Valerie Komtesse Festi-Peretoni, 1846). Letzte Blätter, 1853–54; Rosaneum (Rosa Dierzer, 1857–58). Neigung zur Rhetorik, Bilderreichtum, einige echt lyrische Gedichte wurden wiederholt vertont: „Allerseelen“, „Die Nacht“, „Ist das bald“, „Georgine“. Viele Umarbeitungen. Auch die Balladen stark lyr. Vorbilder Schiller, Heine, Lenau, Grün, Senn, Herwegh, Freiligrath. Freiheitspathos des Liberalismus. Kleine, unbedeutende dramat. Versuche.

W.: Gedichte, 1864/65, Nachtrag 1868; Ausgewählte Dichtungen, hrsg. von A. v. d. Passer, 1889; Ges. Ausg., hrsg. von R. H. Greinz, 1895; Gedichte, hrsg. von H. Greinz, 1902; Gedichte mit biogr. Einleitung, hrsg. von A. v. d. Passer, 1906; H. v. Gs. Weg und Weisen, hrsg. von A. Dörrer, 1924.
L.: W. Neuwirth, H. v. G., Diss. Wien 1920; S. M. Prem, Geschichte der neueren dt. Literatur in Tirol I, 1922, S. 146ff.; Nagl-Zeidler-Castle 2, S. 962ff.; Brümmer; Giebisch-Pichler-Vancsa; Kindermann-Dietrich; M. Enzinger, Die dt. Tiroler Literatur, 1929, S. 70ff., 120f.; A. Dörrer, Wie einst im Mai, 1939; A. Dörrer, Archiv für das Stud. der neueren Sprachen 27/32; Grillparzer- Jb. 14, S. 249–67, 24, S. 199–210; J. Nadler, Österr. Literaturgeschichte, 2. Aufl., 1951, S. 263ff.; P. Rainer, Tiroler Frühling. Novellen nach Liedern H. v. Gs., 1924; Wurzbach; ADB.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 441
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