Giovanelli zu Gerstburg und Hörtenberg, Karl Frh. von (1847–1922), Politiker und Jurist

Giovanelli zu Gerstburg und Hörtenberg Karl Frh. von, Politiker und Jurist. Geb. Brescia, Lombardo-Venetien (I), 28. 10. 1847; gest. Caldaro/Kaltern (I), 6. 6. 1922; röm.-kath. Aus einer alten lombardischen Familie stammend, Enkel von →Joseph Giovanelli zu Gerstburg und Hörtenberg, Sohn von →Ignaz Frh. von Giovanelli zu Gerstburg und Hörtenberg. – Nach der Matura in Bozen/Bolzano studierte G. 1866–69 an der Universität Innsbruck Jus; 1870 Dr. jur. Bereits 1869 in den Gerichtsdienst eingetreten, wurde er 1871 Auskultant, 1874 Gerichtsadjunkt, 1880 Richter im Bezirk Fassa. 1884 Landesgerichtsrat in Bozen und 1892 Oberlandesgerichtsrat in Innsbruck. Er war auch Rat des Verwaltungsgerichtshofs. 1900–04 wirkte G. als Ackerbauminister in der Regierung Koerber und erwarb sich Verdienste um Agrarrecht und Forstkultur, etwa durch das Gesetz betreffend die Errichtung landwirtschaftlicher Berufsgenossenschaften (1902). Das unter seiner Ägide vorbereitete, 1905 verabschiedete Jagdgesetz für Niederösterreich diente als Grundlage für die Jagdgesetze der anderen Kronländer. G. geriet jedoch ins Kreuzfeuer der Kritik des Großgrundbesitzes, der die Umwandlung der Pferdezuchtkommission in einen Beirat des Ackerbauministeriums, weiters die Forstgesetznovelle und die Gründung landwirtschaftlicher Berufsgenossenschaften ablehnte. Daraufhin zog sich G., der 1900 zum Geheimen Rat ernannt worden war, 1904 ins Privatleben zurück. Er wurde 1898 Ritter des Leopold-Ordens und erhielt 1904 den Orden der Eisernen Krone I. Klasse.

L.: Kosch, Staatshdb.; F. Kern, Oberösterreichischer Bauern- und Kleinhäuslerbund 1, 1953, S. 492; F. Ott – W. G. Wieser, Die k.k. Ackerbauminister und die Landwirtschaftsminister der Republik, in: 100 Jahre Landwirtschaftsministerium, ed. O. Dornik, 1967, S. 75f.; Die Matrikel der Universität Innsbruck, Abteilung: Rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät, bearb. P. Goller, 1998; E. Lebensaft – Ch. Mentschl, Feudalherren – Bauern – Funktionäre. Österreichs Agrarelite im 20. Jahrhundert, 2003.
(E. Lebensaft – Ch. Mentschl)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 446
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