Glaise von Horstenau, Edmund (1882-1946), Historiker

Glaise von Horstenau Edmund, Historiker. * Braunau (O.Ö.), 27. 2. 1882; † Lager Langwasser b. Nürnberg, 20. 7. 1946. Aus einer Offiziersfamilie, absolv. die Theres. Milit. Akad., 1903 Lt., 1910 im Generalstab, 1915–18 Pressereferent des Armee-Oberkmdos. und Verfasser der Heeresberichte, 1913/14 und seit 1918 im Kriegsarchiv, stud. 1919–21 an der Univ. Wien Phil. (Geschichte bei Srbik), 1925–38 Dir. des Kriegsarchivs, Gen.-Staatsarchivar, 1934 Mitgl. des Staatsrates, 1936–38 im Kabinett Schuschnigg Min. o. Portefeuille bzw. Min. des Inneren, 1934 Priv. Doz. an der Univ. Wien für neuere Kriegs- und Heeresgeschichte, 1938 Vizekanzler im Anschlußkabinett Seyß-Inquart, 1940 Hon. Prof., 1942 Dr. h. c. der Univ. München, Gen. d. Inf., korr. Mitgl. der Akad. d. Wiss. München und Wien, 1941–44 bevollm. dt. Gen. in Agram, wo er nachdrücklich gegen die von der Ustascha verübten Greuel einschritt. G., ein kenntnisreicher, von brennendem Ehrgeiz und starkem Geltungsbedürfnis erfüllter Mann, verkörperte den Typ des Militärdiplomaten. Meist zwischen den Fronten stehend, war er als Politiker ein Mann der Kompromisse. Großdeutsch eingestellt, betrachtete er anfangs den Nationalsozialismus nur unter diesem Gesichtspunkt, doch lebte in ihm ein starkes Gefühl für österr. Tradition. Obwohl er den Anschluß begrüßte, weigerte er sich, ein von Berlin gestelltes Ultimatum zu überbringen. Seine Stärke als Historiker liegt weniger auf dem Gebiete der Forschung als auf dem der Darstellung.

W.: Tuzla und Doboj, in: Unsere Truppen in Bosnien und der Herzegowina 1878, Bd. 6, 1909; Der Feldzug von Dresden 1813, 1913; Die Heimkehr Tirols, in: Österreich in den Befreiungskriegen, Bd. 10, 1914; S. Boroević v. Bojna, in: N. österr. Biogr. 1, 1923; Erzh. Franz Ferdinand, ebenda, 3, 1926; Franz Josephs Weggefährte, 1930; Die Katastrophe, 1929, engl. 1930, italien. 1934; FZM Beck, in: Jb. der Stadt Freiburg i. Br., 3, 1939, S. 249–56; etc. Hrsg. und Mitarbeiter von: Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–18, 1929–38.
L.: Ch. Gulick, Österreich von Habsburg bis Hitler, 1950; F. Langoth, Kampf um Österreich, 1951, s. Reg.; F. Funder, Vom Gestern ins Heute, 1952; Geschichte der Republik Österreich, hrsg. von H. Benedikt, 1954; L. Jedlicka, Ein Heer im Schatten der Parteien, 1955; A. Spitzmüller, … und hat auch Ursach, es zu lieben, 1955; R. Kiszling, Die Kroaten, 1956; Wer ist wer? 1937; K. A. Wien; U. A. Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 1
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