Goldschmiedt, Guido (1850-1915), Chemiker

Goldschmiedt Guido, Chemiker. * Triest, 29. 5. 1850; † Gainfarn (N.Ö.), 6. 8. 1915. Sohn eines aus Bayern eingewanderten Großkaufmanns; besuchte die Mittelschule in Triest und Wien, stud. dann auf Wunsch seines Vaters an der Handelshochschule in Frankfurt a. M., wandte sich aber bald der Wiss. zu; stud. seit 1869 an der Univ. Wien bei Redtenbacher und Schneider, 1871 bei Bunsen in Heidelberg, wo er 1872 prom. Arbeitete 1872–74 in Straßburg bei Baeyer, 1874 Ass. an der Univ. Wien bei Schneider, 1875 Priv. Doz., 1880 Adjunkt am I. Chem. Universitätslaboratorium, 1891 o. Prof. an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, 1892 o. Prof. an der Dt. Univ. in Prag, 1911 o. Prof. an der Univ. Wien. G. lieferte wesentliche Beiträge zur Kenntnis des Stuppfettes und der Konstitution verschiedener organ. Verbindungen wie Pyren, Ellagsäure, Flavon, Scutellarin u. a. Die von ihm durchgeführte Umwandlung von Öl- und anderen ungesättigten Fettsäuren in Stearin- und andere gesättigte Fettsäuren stellen den ersten geglückten Versuch der nachmalig zu so großer techn. Bedeutung gelangten Fetthärtung dar. Seine in fünfjähriger zäher Arbeit durchgeführte Konstitutionsaufklärung des Papaverins war die erste Strukturermittlung eines komplizierter gebauten Alkaloids. Sie war grundlegend für die Erforschung der Opiumalkaloide und beeinflußte die gesamte Alkaloidforschung. G. erhielt 1892 den Lieben-Preis der Akad. der Wiss. in Wien, deren Mitgl. er 1894 wurde.

W.: Über die Umwandlung von Säuren der Reihe Cn H2n-2 O2 in Cn H2nO2, in: Sbb. Wien, 1875; Über Idryl und Idrialin. ebenda, 1877–78; Über das Stuppfett, in: Mh. für Chemie, 1880; Über das Papaverin, ebenda, 1885–91; Über Ellagsäure, ebenda, 1905; Über das Scutellarin, ebenda, 1910; etc.
L.: A.Pr. vom 6. 8., R.P. und M.Pr. vom 7. 8. 1915; Almanach Wien, 1916; Poggendorff 3–5; Ber. der Dt. Chem. Ges., Jg. 49, 1916; Österr. Chemikerztg., Jg. 18, S. 145; Chemikerztg., Jg. 39, S. 649.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 26
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