Graf, Franz (1837-1921), Industrieller

Graf Franz, Industrieller. * Nägelsdorf b. Straden (Steiermark), 23. 9. 1837; † Graz, 31. 12. 1921. Einer bis 1684 in der Gegend von Straden zurückverfolgbaren bäuerlichen Familie entstammend, besuchte er das Gymn. in Marburg a. d. Drau und stud. an den Univ. Wien und Graz, 1862 Dr. der Rechts- und Staatswiss. G. trat in den Dienst des steiermärk.-kärnt.-krain. Oberlandesgerichtes, 1873 Staatsanwaltsubstitut, resignierte jedoch freiwillig im April 1876 und trat in die Geschäftsführung der zum Familienbesitz seiner Frau Theresia, geb. Hold, gehörigen Brauerei Puntigam als Teilhaber ein. Bereits 1868 und 1869 Abg. im steir. Landtag, gehörte er 1880–84 und dann seit 1890 dem Grazer Gemeinderat an. Vom 3. 5. 1897 bis 28. 5. 1898, vom 25. 10. 1898 bis 9. 1. 1905 und vom 23. 1. 1905 bis 25. 4. 1912 Bürgermeister von Graz. Im Zusammenhang mit den Badeni-Unruhen im November 1897, die zwei Todesopfer gekostet hatten, wurde am 28. 5. 1898 der Grazer Gemeinderat vom Statthalter Oliver Marquis de Bacquehem (s. d.) aufgelöst und der k. k. Bezirkshptm. Heinrich Frh. von Hammer-Purgstall zum Reg.-Komm. bestellt. Doch nach den Neuwahlen für den Gemeinderat wurde G. neuerdings Bürgermeister. 1907 Ehrenbürger von Graz. Sein eigentliches und persönliches Verdienst ist die Erbauung des Grazer Opernhauses, das im September 1899 nach kaum eineinhalbjähriger Bauzeit eröffnet wurde. Weiters ist ihm der Bau von Schulen, Volksbädern, des städt. Amtshauses, eines Kinderasyls und Waisenhauses, sowie die Erwerbung der Industriehalle und von Gründen für Parkanlagen zu danken. Von G.s Kindern hat Robert G. (* Graz, 16. 6. 1878; † Graz, 4. 5. 1952), im Grazer Kulturleben zwischen den beiden Weltkriegen eine hervorragende Rolle gespielt.

L.: Grazer Tagbl., Tagespost, Volksbl. vom 8. 4. 1897, 23. 9. 1907, 2. 1. 1922; M.Pr. vom 1. 1. 1922; Die Stadt Graz in den letzten 60 Jahren, 1928; B. Sutter, Bürgermeister G., Neue Chronik, 37, 1956.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 43f.
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