Greil, Wilhelm (1850–1928), Politiker und Kaufmann

Greil Wilhelm, Politiker und Kaufmann. Geb. Innsbruck (Tirol), 25. 5. 1850; gest. ebd., 13. 5. 1928. Sohn des Textilkaufmanns Franz Johann Anton Greil (geb. 28. 12. 1818; gest. 28. 4. 1883) und der Margareth Greil (geb. 15. 7. 1821; gest. 25. 2. 1900). – G., der den Beruf seines Vaters ergriff, wurde 1885 in den Innsbrucker Gemeinderat gewählt, wo er als Mitglied der Dienst- und Rechtssektion sowie der Finanz- und Spitalleitungssektion tätig war; 1886 Vizebürgermeister, 1888 Wiederwahl, 1891 Wiederwahl als Gemeinderatsmitglied. Nachdem Bürgermeister Heinrich Falk sein Amt 1893 niedergelegt hatte, stellte der Gemeinderat den Antrag, dass G. das Amt annehmen solle. Dieser lehnte vorerst ab, ließ sich dann aber doch von der Gemeinderatsversammlung zu einer Kandidatur überreden. G. wurde im November 1896 zum Bürgermeister gewählt und im Jänner 1897 beeidet. Er hatte dieses Amt bis 1923, als er aus dem Gemeinderat ausschied, inne. G. war darüber hinaus deutschfreiheitlicher Abgeordneter zum Tiroler Landtag. In seine Amtszeit als Bürgermeister fallen umfangreiche Bautätigkeiten und Investitionen im Bereich der Infrastruktur, so der Erwerb des Elektrizitätswerks in Mühlau (1897), die Errichtung der Sillwerke (1901–03), des Schlachthofs, des Städtischen Krankenhauses sowie von Trinkwasserleitungen und Volksbädern, die Übernahme des Gaswerks (1905) sowie Kanalisierungsarbeiten (1903–06). Daneben wurden zahlreiche Schulen (z. B. die Frauenerwerbsschule) eröffnet. Im Bereich des Verkehrswesens wurde die Lokalbahn von Innsbruck nach Hall in Tirol von Dampf- auf elektrischen Betrieb umgestellt und die Mittelgebirgsbahn nach Igls sowie die Stubaitalbahn errichtet. Mit der Standseilbahn auf die Hungerburg erfolgte die Schaffung einer touristischen Naherholungsattraktion, die später durch die Seilbahn auf die Nordkette erweitert wurde. Der Ankauf des Achensees 1919 bildete die Grundlage für die Errichtung des gleichnamigen Kraftwerks, das für die Elektrizitätsversorgung von großer Bedeutung war. In G.s Amtszeit fiel 1904 auch die Eingemeindung von Wilten und Pradl.

L.: K. Paulin, Tiroler Köpfe. Ausgewählte zeitgeschichtliche Lebensbilder, 1953, S. 227ff.; K. Auf der Klamm, Bürgermeister W. G. von Innsbruck – seine Amtstätigkeit als Bürgermeister, sein Wirken bis 1914, Hausarbeit Innsbruck, 1966; F.-H. Hye, in: Mayors and City Halls. Local Government and the Cultural Space in the Late Habsburg Monarchy, ed. J. Purchla, 1998, S. 93ff. (mit Bild); Stadtarchiv Innsbruck, Tirol.
(L. Morscher)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 56
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