Gröger (Groeger), Florian (1871–1927), Politiker, Journalist und Weber

Gröger (Groeger) Florian, Politiker, Journalist und Weber. Geb. Oberwildgrub, Schlesien (Horní Václavov, CZ), 10. 8. 1871; gest. Klagenfurt (Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten), 19. 5. 1927; röm.-kath. Sohn des Häuslers und Schuhmachers Florian Groeger (geb. Oberwildgrub, 5. 8. 1828) und dessen Frau Julia Groeger, geb. Theuer; ab 1904 verheiratet mit der sozialdemokratischen Funktionärin und ersten weiblichen Kärntner Landtagsabgeordneten Anna Gröger, geb. Bartel (geb. Brattersdorf, Mähren / Bratrušov, CZ, 18. 3. 1867; gest. 17. 5. 1961; röm.-kath., später konfessionslos). – G. diente drei Jahre als Förstergehilfe und begann mit 14 Jahren eine Lehre bei einem Hausweber in Braunseifen. Drei Monate vor dem Lehrabschluss floh er vor seinem despotischen Lehrherrn und absolvierte eine Gesellenlehre bei einem Leinenweber in Oskau. Dort kam er in Kontakt mit sozialdemokratischer Lektüre, wurde Mitglied des Fachvereins der Textilarbeiter in Waldheim und begann sich mit politischen Zielen der sozialdemokratischen Bewegung zu beschäftigen. Ende Jänner 1890 kam G. nach Neufeld an der Leitha, um dort in einer neu errichteten Jutefabrik zu arbeiten. Im Zuge der ersten (verbotenen) 1.-Mai-Feier kam es 1890 auch in Neufeld zu einem umfangreichen Polizei- und Militäreinsatz, dem eine Landesverweisung zahlreicher Arbeiter folgte. Ob G. von dieser Maßnahme betroffen war, ist nicht geklärt; er verließ jedenfalls Neufeld, arbeitete einige Monate im niederösterreichischen Ebergassing und anschließend in Gmunden und Neuhofen an der Krems (an letzterem Ort fast drei Jahre als Zeugmacher) und trat dem Linzer Arbeiterbildungsverein bei. 1894 zog er nach Irmsdorf in Nordmähren, wo er eine Ortsgruppe der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung gründete und gleichzeitig den Übergang vom Aktivisten zum hauptamtlichen Funktionär vollzog. In der Folge wirkte G. u. a. als Mitarbeiter der „Brünner Volkszeitung“, als Zeitungsherausgeber und -redakteur sowie als Redner. Ab 1897 war er in Czernowitz als Gewerkschaftssekretär, Parteivertrauensmann und Redakteur des Parteiblatts „Volkspresse“ tätig. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten kehrte G. jedoch nach Mähren zurück und fand vorerst eine Anstellung als Hilfsbeamter bei der Bezirkskrankenkasse in Mährisch-Schönberg und später im nordwestböhmischen Brüx. Hier leitete er die Redaktion der Wochenzeitung „Wahrheit“ und geriet dabei wiederholt mit dem Pressegesetz in Konflikt (1899 zehnwöchige und 1901 einmonatige Arreststrafe). Ende 1902 arbeitete G. einige Monate als Redakteur des „Böhmerwald-Boten“ in Krumau, anschließend – bis Jänner 1904 – als Kreisvertrauensmann und Verwalter der Zeitung „Volkswille“ in Falkenau. Ein weiterer Arbeitsplatzwechsel führte ihn nach Karbitz, wo er zwei Jahre der Bezirkskrankenkasse vorstand. Im Februar 1906 zog er nach Aussig, um beim Arbeiterblatt „Volksrecht“ ein neues Beschäftigungsfeld zu finden. 1910 übersiedelte G. – auf Wunsch seines Parteigenossen Arnold Riese – mit seiner Frau nach Klagenfurt. Dort nahm er bald führende politische Positionen ein und engagierte sich hauptsächlich in Fragen des Wiederbesiedlungs- und Servitutenrechts, der Verstaatlichung von Volks- und Bürgerschulen, des Ausbaus der Wasserkraft und des Steuerrechts. Nach dem plötzlichen Tod Rieses wurde G. 1912 in einer Nachwahl in den Reichsrat gewählt. Im November 1918 wählte ihn die provisorische Kärntner Landesversammlung zum Stellvertreter des Landesverwesers Arthur Lemisch. Nach der Landtagswahl vom Juni 1921 wurde mit G. erstmals ein Sozialdemokrat Landeshauptmann von Kärnten. Nach Stimmen- und Mandatsverlusten seiner Partei bei der Landtagswahl 1923 wechselte er als Nationalratsabgeordneter in die Bundespolitik.

W.: Von unten auf! Eine Selbstbiographie, 1926.
L.: Adlgasser; I. Lapan, Der Kärntner Landtag von 1918–38 und die Tätigkeit der Abgeordneten, phil. Diss. Graz, 1982, S. 205ff.; E. Webernig, Der Landeshauptmann von Kärnten, 1987, S. 74f. (mit Bild); W. Wadl, in: Carinthia I, 178, 1988, S. 279ff., bes. 343ff.; S. Somma, F. G. (1871–1927), kulturwissenschaftliche Diss. Klagenfurt am Wörthersee, 2012 (mit Bild); Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten.
(U. Burz)   
Zuletzt aktualisiert: 27.11.2017  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 6 (27.11.2017)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 67
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