Grohmann, Joseph (1792-1873), Industrieller

Grohmann Joseph, Industrieller. * Schönbüchel b. Schönlinde (Krásná Lípa, Böhmen), 25. 8. 1792; † Würbenthal (Vrbno, Österr. Schlesien), 27. 3. 1873. Wanderte 1812 nach Würbenthal und trat in die aufstrebende, von F. Rösler aus Schönlinde und dem in Wien lebenden J. Adolf Weiß aus Würbenthal gegründete Firma „Weiß & Rösler“ ein. Er heiratete 1818 Amalie, die Nichte Röslers, und wurde als Teilhaber in die Firma aufgenommen. 1821 trat F. Rösler aus dem Unternehmen aus und zog sich ins Privatleben zurück. Nachdem J. Adolf Weiß 1830 in Wien gestorben war, trat dessen Sohn Carl in die Firma ein, die ab 1846 den Namen „Weiß & Grohmann“ führte. Der Wr. Kongreß, das aufsteigende Wr. Bürgertum und die beginnende Industrialisierung, gaben dem Unternehmen starken Auftrieb. 1847 machte es unter Joseph G.s Leitung die entscheidende Umwandlung vom kleinen Hausbetrieb zur mechanisierten, maschinellen Leinenzwirnfabrik durch und führte von nun an den Namen „Grohmann & Co. “. Eine eigene Färberei wurde gebaut, 1865 die Fabrik wesentlich erweitert. Seit 1867 leitete die Firma sein ältester Sohn Guido († 1873), vermählt mit Emma Wagner († 1896), der Tochter des Mährisch-Schönberger Leinenfabrikanten C. A. Wagner, der die erste mechan. Flachsspinnerei in Österreich eingerichtet hatte. Emma G. führte den Betrieb nach Joseph G.s Tode mit ihrem ältesten Sohn Emil († 1905) weiter, vergrößerte das Unternehmen und betrieb eine für die Zeit fortschrittliche Sozialpolitik. (Zusätzliche Altersversicherung, Werkswohnungen, Fabrikbad mit medizin. Bädern, Sportplätze etc.) 1900 wurden die Konkurrenzunternehmen Pochmühl und Markersdorf erworben und modernisiert. Ihr Enkel Fritz G. nahm die Erzeugung von Zwirnknöpfen auf, richtete in Budapest und Temesvàr Filialbetriebe ein und stellte Interessengemeinschaften mit anderen großen Unternehmen her (1939 Beitritt zur gesamtdt. Leinenzwirnvereinigung). Das Unternehmen wurde 1945 vom tschech. Staat enteignet, Fritz G. im tschech. Internierungslager Olmütz erschlagen.

L.: E. Zöllner, Chronik von Würbenthal, in: Freudentaler Ländchen, 1955, S, 48ff.; Großind. Österr; Mitt. E. Grohmann, Wien, F. Lenz, Wien, E. Stade, Schwarzenbek (Holstein).
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 70
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