Gross, Lothar (1887-1944), Historiker

Gross Lothar, Historiker. * Heraletz (Herálec, Böhmen), 13. 9. 1887; † Wien, 31. 5. 1944. Stud. an der Univ. Wien, 1909 Dr.phil., Mitgl. des Instituts für österr. Geschichtsforschung. Seine Institutsarbeit über das bischöflich passauische Urkundenwesen verwies G. auf die Weiterarbeit an dem von seinem Lehrer Redlich betreuten Gebiet der Privaturkunden. Wirtschaftsgeschichtl. Interesse brachte ihn zugleich der Schule von Dopsch nahe. 1910 im n.ö. Statthaltereiarchiv und seit 1911 im Haus-, Hof und Staatsarchiv, 1919 Staatsarchivar, 1921 Sektionsrat, 1926 Vizedir., 1933 Hofrat, 1935 Generalstaatsarchivar, 1938 Dir. des Haus-, Hof- und Staatsarchivs und Stellvertreter des Dir. des Reichsarchivs Wien, seines langjährigen Kollegen L. Bittner (s.d.). Bereits an den Bemühungen zur Rettung der Substanz der österr. Zentralarchive gegenüber den Ansprüchen der neuen Nachfolgestaaten hat der junge G. erfolgreichen Anteil genommen und die österr. Gruppe der Rhein. Jahrtausendausstellung von 1925 organisiert. Von seinen Verwaltungsarbeiten, besonders für die Archive des röm.-dt. Reiches, gibt das große, unter seiner Mitwirkung zustande gekommene Gesamtinventar des Archivs eine Vorstellung. Von 1930–38 redigierte er die „Historischen Blätter“, 1922 Priv. Doz. für mittelalterliche Geschichte und hist. Hilfswiss. an der Univ. Wien, 1927 tit. ao. Prof., seit 1931 im Lehrkörper des Instituts für österr. Geschichtsforschung. Er wirkte im heimatlichen Raume durch seine leitende Stellung im Ver. für Geschichte der Stadt Wien. 1933 Mitgl. des Comité internationale des Sciences historiques, 1942 Mitgl. der Akad. d. Wiss. in Wien, 1944 Mitgl. der Prager Akad.

W.: Die Ständeversammlung zu Eggenburg im Jahre 1411, 1911; Über das Urkundenwesen der Bischöfe von Passau im 12. und 13. Jh., in: MIÖG, Erg. Bd. 8, 1911; Beiträge zur städt. Vermögensstatistik des 14. und 15. Jh. in Österr., in: Forschungen zur inneren Geschichte Österr. 10, 1913; Privaturkunden (Urkunden und Siegel in Nachbildungen), hrsg. von G. Seeliger III, 1914, gem. mit O. Redlich; Ein Fragment eines Registers Karls IV. aus dem Jahre 1348, in: Neues Archiv 43, 1922; Die Regesten der Herzoge von Österr. sowie Friedrichs des Schönen als dt. Königs von 1314–30, in: Regesta Habsburgica, Abt. III, 1922–24; Zwei unbekannte Register des Mainzer Rheinzolles, in: Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 17, 1924; Der Kampf zwischen Reichskanzlei und österr. Hofkanzlei um die Führung der auswärtigen Geschäfte, in: Hist. Vierteljahrsschrift 22, 1924/25; Stadt und Markt im späteren Mittelalter, in: ZRG, german. Abt. 45, 1925; Ein Versuch Herzog Friedrichs von Tirol zur Erwerbung von Brabant, in: MIÖG 41, 1926; Zur Geschichte der Gesandtschaftsarchive am Regensburger Reichstag, in: Archiv Z. 36, 1926; Reichsregisterbücher Kaiser Karls V., nach amtlichen Vorarbeiten vollendet, 1930; Geschichte der dt. Reichshofkanzlei von 1559–1806, 1933; Repertorium der diplomat. Vertreter aller Länder seit dem Westfäl. Frieden, Bd. 1 (1648–1715), gem. mit L. Bittner und W. Latzke, 1936; Reichshofratsprotokolle als Quellen niederösterr. Geschichte, in: Jb. für Landeskde, von N.Ö. 26, 1936; Ein kassiertes Privileg Kaiser Leopolds I., in: Hist. Bll. 7, 1937; Panisbriefe Kaiser Josefs II. Ein Beitrag zu seiner Reichskirchenpolitik, Srbik-Festschrift,1938; Verleihung des Reichsindigenates durch den Kaiser, in: MIÖG, Erg. Bd. 14, 1939; Urkunden und Aktenstücke des Reichsarchivs Wien zur reichsrechtlichen Stellung des burgund. Kreises, Bd. l unter Mitwirkung von R. Lacroix, 1944, Bd. 2 gem. mit R. Lacroix, 1945; etc.
L.: Almanach Wien, 1947; HZ 169, 1949, S. 450/51; Der Archivar 4, 1951, S. 187–91; A. Lhotsky, Geschichte des Instituts für österr. Geschichtsforschung, 1954; Bittner.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 6, 1957), S. 75f.
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