Haas von Teppichen (Teichen), Eduard (1827-1880), Großindustrieller

Haas von Teppichen (Teichen) Eduard, Großindustrieller. * Wien, 15. 9. 1827; † Nizza, 13. 11. 1880. Sohn des Fabrikanten Philipp H. (s.d.). Trat zusammen mit seinem Bruder Robert (* 7. 5. 1825) 1850 in die Fa. seines Vaters, welche seit 1851 den Namen Philipp H. & Söhne führte, ein. Wegen der Kränklichkeit seines Bruders kam ihm bald die Leitung des Betriebes zu, der weiter ausgestaltet wurde. 1850 errichtete die Fa. in Hlinsko (Böhmen) eine Fabrik für Damaste und Utrechter Samt und eine zweite in Ebergassing (N. Ö.) für Teppiche und Möbelstoffe, in welcher 1852 die ersten mechan. Teppichwebstühle in Österr. aufgestellt wurden. Als weitere Gründungen der Fa. folgten die Wolldamastfabrik in Bradford (England) 1856 und jene für seidene und halbseidene Möbelstoffe in Lissone (Italien). Niederlagen der Fa. bestanden an allen Hauptpunkten des Weltmarktes. 1866 wurde das Warenhaus der Fa. in Wien (Stock-im-Eisen-Platz) nach Plänen von Van der Nüll und Siccardsburg errichtet, in dem später die Zentrale untergebracht war. Die Erzeugnisse der Fa. errangen auch weiterhin Preise auf allen bedeutenden Ausst., so in London 1851, München 1854, Paris 1855, London 1862 und Paris 1867. Die Weltausst. in Paris trug der Fa. eine besondere Anerkennung für ihre Bemühungen um das Wohl der Arbeiter ein. H. hatte einen Pensionsfonds für seine Angestellten eingerichtet, und bei den beiden Hauptfabriken bestanden Siedlungen, in denen sämtlichen Arbeiterfamilien freie Wohnung geboten wurde. 1873 wirkte H. als k. Kommissär in der Leitung der Wr. Weltausst. H. trat auch als Förderer der österr. Kunstindustrie hervor. In Verbindung mit dem Mus. für Kunst und Industrie wandte er Motive aus dessen Smlgn. von mittelalterlichen und Renaissancestoffen mit Verständnis an. Er trug wesentlich zur Geschmacksbildung des Publikums bei, als er begann, nur stilisierte Muster für Möbel- und Vorhangstoffe zu verwenden. Für seine Verdienste um die Wirtschaft wurde er mehrmals ausgezeichnet, u.a. 1868 nob. Unter seinem Sohn und Nachfolger Philipp (* 18. 11. 1859), 1898 Frh., wurde die Fa. in die noch heute bestehende A.G. umgewandelt.

L.: Biograph. Lex. der Wr. Weltausst. 1873, hrsg. von Engel und Rotter, Bd. 1, H. 1/2, S. 50f.; E. Ritter v. H., Festschrift, 1881; Großind. Österr., Bd. 4, S. 357 ff.; Wurzbach (s. H. Philipp); Merkantil-Protokoll, Tom. V, Lit. H, p. 35.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 7, 1958), S. 120
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