Hafner, Josef (1875-1932), Politiker und Lehrer

Hafner Josef, Lehrer und Politiker. * Mattighofen (O.Ö.), 20. 2. 1875; † Bad Ischl (O.Ö.), 4. 3. 1932. H. bildete sich für den Lehrberuf aus, stud. bei Lupus in München Phil. Zu Beginn seiner Laufbahn war er an einer kath. Privatschule in Wien tätig, wo er in den Kreis von K. Kraus kam und mit diesem Freundschaft schloß. Seine ersten literar. Arbeiten erschienen im „Kyffhäuser“. Mit seinem Stiefbruder O. Gerzer (Ps. O. Weilhart) verfaßte er mehrere Dramen, von denen „Das neue Dorf“ mehrere Aufführungen erlebte. Alle schildern im Sinne des aufkommenden Naturalismus den Einzug eines neuen, freiheitlichen Geistes auf dem Lande. Von Wien kam er als Lehrer nach Stadl-Paura bei Lambach in O.Ö. Dort gab er eine Reihe kleinerer Broschüren heraus (Die Entwicklung der Volksschule, Spiritismus und Phil. u.a.), trat der sozialdemokrat. Partei bei, wurde 1909 als Landtagsabg. aufgestellt und in der Stichwahl auch gewählt. Bis 1918 im Landtag der einzige Vertreter seiner Partei, fiel er aber sofort durch die Geistigkeit seiner Reden und durch seine sprühenden Zwischenrufe auf. Während des Ersten Weltkrieges war er eingerückt und zuletzt Fähnrich. Nach, 1918 wurde er Abg. zum Nationalrat, war im Hauptausschuß, widmete sich aber später ganz der Landespolitik. Hier war er bis zu seinem Tode als Landesrat, Vizepräs. des Landtages und zuletzt als Landeshauptmannstellvertreter tätig. Er verwaltete das Sanitätsreferat. Als Ersparungskomm. der Stadt Steyr hatte er wohl Verdienste, konnte aber den finanziellen Verfall der Stadt nicht aufhalten Die ganze Zeit über war er Chefredakteur der sozialdemokrat. Ws. „Die Wahrheit“, auch nach deren Umwandlung in eine Tagesztg. („Tagbl.“). Mit seinem Namen ist der Aufstieg der Sozialdemokrat. Partei in O.Ö. verknüpft.

W.: Gem. mit O. Gerzer: Keine Sühne (Schauspiel), 1897; Das Märchen vom zweiten Leben (Schauspiel), 1899; Die brotlose Kunst (Schauspiel), 1899; Das neue Dorf (Schauspiel), 1901; Der Frauenkongreß (Lustspiel), 1907.
L.: A.Z. vom 5. 3. 1932; Giebisch–Pichler–Vancsa; Nagl–Zeidler–Castle 4, S. 1176f.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 7, 1958), S. 142
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