Haller, Johannes Evangelist (1825–1900), Fürsterzbischof und Kardinal

Haller Johannes Evangelist, Fürsterzbischof und Kardinal. Geb. Ried, Tirol (Ried/Novale, I), 30. 4. 1825; gest. Salzburg (Salzburg), 5. 4. 1900; röm.-kath. Sohn des Landwirts Johann Haller (gest. 1828) und dessen Frau Anna Haller, geb. Sprenger, die nach dem frühen Tod ihres Mannes als Wäscherin arbeiten musste, um ihren Söhnen die Schulbildung zu ermöglichen. – H. besuchte ab 1835 das Benediktinergymnasium Marienberg in Meran und ab 1841 das Lyzeum in Innsbruck. Nach der Aufnahme ins Trienter Priesterseminar 1843 studierte er dort Philosophie und Theologie. 1847 wurde H. Präfekt am Knabenseminar Johanneum in Bozen; 1848 Priesterweihe in Trient. In der Folge wirkte er als Kooperator in Moos in Passeier und 1849–60 in Sarnthein. Ab 1857 fungierte er daneben auch als Kommissar beim Ehegericht in Trient. 1860–65 war er als Kaplan bei den Benediktinerinnen in Säben tätig, wo er sich in die Werke des Thomas von Aquin vertiefte, und anschließend bis 1871 als Pfarrer von Lajen. 1871 wurde H. Domkapitular in Trient, ab 1873 hatte er die Funktion des Provikars für den deutschen Anteil des Bistums inne, ab 1874 jene des Generalvikars. 1874 erfolgte seine Ernennung zum Weihbischof (Titularbischof von Adraa) und die Konsekration durch Kardinal →Maximilian Joseph von Tarnóczy. Danach wirkte er als Dompropst in Trient. H. war als volkstümlicher Prediger sehr gefragt. Er gründete als Generalvikar ein deutsches und ein italienisches Diözesanverordnungsblatt und bereiste sein Bistum mehrmals. Für den deutschsprachigen Priesternachwuchs rief er 1878 das Collegium Johanneum in Meran ins Leben. In der Nationalitätenfrage verhielt er sich neutral. Kirchenpolitisch zählte H. wie der Brixner Bischof →Vinzenz Ferrer Gasser zu den kompromisslosen Bischöfen Österreichs, die die liberale Gesetzgebung, so etwa die Einführung der staatlichen Schulaufsicht, ablehnten. Daher kam H. auch mit dem Tiroler Statthalter →Eduard Franz Joseph Graf Taaffe in Konflikt. Obwohl nach dem Tod von Fürstbischof →Benedikt Riccabona von Reichenfels 1879 zum Kapitularvikar von Trient ernannt und mit der Verwaltung der Diözese betraut, wurde H. als Nachfolger von der Regierung abgelehnt und stattdessen Weihbischof Giovanni Giacomo Della Bona zum Bischof bestimmt, H. zum päpstlichen Thronassistenten. 1880 erfolgte schließlich die Ernennung H.s zum Weihbischof und Dompropst in Salzburg. 1881 berief ihn Fürsterzbischof →Franz Albert Eder zum Generalvikar, zum Konsistorialrat sowie zum Kommissar des Knabenseminars Borromäum. Nachdem H. von der Regierung trotz einstimmigen Votums durch die Bischöfe der Salzburger Kirchenprovinz auch nach dem Tod Della Bonas 1886 für den Trienter Bischofsstuhl übergangen worden war, wählte ihn das Salzburger Domkapitel nach dem Ableben Eders 1890 zum Kapitularvikar und schließlich im Mai 1890 auch zum Fürsterzbischof von Salzburg (päpstliche Bestätigung im Juni, Inthronisation im August desselben Jahres). 1895 wurde H. mit der Kardinalswürde ausgezeichnet und erhielt die Titelkirche San Bartolomeo all’Isola. H. war Mitglied des Herrenhauses sowie des Salzburger und Tiroler Landtags und ein überzeugter Anhänger der konservativen Partei. Er visitierte als Fürsterzbischof regelmäßig sein Erzbistum, ließ in der Stadt Salzburg die Pfarrkirche St. Andrä errichten, die anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums 1898 eingeweiht wurde, und wandte sich mehrmals im Jahr mit Hirtenschreiben an seine Gläubigen. H. war innerhalb der österreichischen Bischofskonferenzen für die Neufassung des 1897 herausgegebenen Katechismus sowie für das Projekt der Errichtung einer katholischen Universität in Salzburg zuständig. Nach seiner Wahl zum Salzburger Erzbischof trat er an die Spitze des Universitätsvereins, dessen Mitgliederzahl und Kapital er beträchtlich zu erhöhen vermochte. H. war Ehrenmitglied der Katholischen Österreichischen Studentenverbindung Austria-Wien und erhielt 1890 das Ehrendoktorat der katholisch-theologischen Fakultät in Salzburg.

L.: Bautz; Gatz, Bischöfe (mit Bild); Ch. Greinz, J. E. H. ..., (1902) (mit Bild); E. Saurer, Die politischen Aspekte der österreichischen Bischofsernennungen 1867–1903, 1968, s. Reg.; F. Ortner, Die Universität in Salzburg. Die dramatischen Bemühungen um ihre Wiedererrichtung 1810–1962, 1987, s. Reg.; H. Spatzenegger, in: H. Dopsch – H. Spatzenegger, Geschichte Salzburgs 2/3, 1991, S. 1457ff.; M. Kronthaler, in: Salzburg und der Heilige Stuhl im 19. und 20. Jahrhundert, ed. H. Paarhammer – A. Rinnerthaler, 2003, S. 67ff.; F. Ortner, Salzburgs Bischöfe in der Geschichte des Landes ..., 2005, S. 303ff.; Biographisches Lexikon des Österreichischen Cartellverbands (mit Bild, online, Zugriff 2. 6. 2018); Salzburg-Dompfarre, Salzburg.
(M. Sohn-Kronthaler)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 7, 1958), S. 161
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