Hamber, Edmund (1893–1940), Filmschaffender und Unternehmer

Hamber Edmund, Filmschaffender und Unternehmer. Geb. Wien, 25. 7. 1893; gest. KZ Buchenwald, Deutsches Reich (D), 28. 11. 1940 (ermordet); mos. Bruder von Philipp Hamber (geb. Wien, 1. 3. 1887; gest. KZ Buchenwald, 5. 11. 1940). – H. trat kurz nach Ende des 1. Weltkriegs in die Firma seines Bruders ein, die seit 1920 unter dem Namen Philipp Hamber G. m. b. H. geführt wurde. Gemeinsam bauten sie eine Kinokette auf, die bald zum bedeutendsten Kinokonzern Österreichs heranwuchs. Zu Jahresbeginn 1925 beteiligten sich die Brüder an der Gründung der Österreichischen Lichtspieltheater-Allianz Hamber & Co. KG, kurz Oela genannt, mit der sie vor allem ihre Filmsäle und den Filmvertrieb zu organisieren versuchten. Im selben Jahr übernahmen sie die Allianz-Filmfabrikations- und Vertriebsgesellschaft m. b. H. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei verstand H. die Firma von Beginn an als politisches Instrument und stellte ab 1923 auch einschlägige Wahl- und Dokumentarfilme her. Mit der Filmbiographie „Beethoven“, die 1927 in Wien uraufgeführt wurde und für deren Titelrolle Fritz Kortner gewonnen werden konnte, begann H.s kurzlebige Tätigkeit als Spielfilmproduzent. Die nachfolgenden Allianz-Produktionen mit H.s Beteiligung (alle 1927/28) waren weit weniger bedeutsam. Ende 1928 übertrug man ihm die Reorganisation der einst von der Arbeiterbank gegründeten Kinobetriebsanstalt G. m. b. H., kurz Kiba. Bereits 1929 verließ H. die Allianz wieder, die nunmehr von seinem Bruder geführt wurde, und widmete sich ab Oktober des Jahres als alleiniger Generaldirektor und Geschäftsführer vollständig dem Management der Kiba-Kinos. Allein in Wien führte die Kiba 1932 sechs Lichtspielhäuser (Scala, Apollo, Schweden-Kino, Weltspiegel-Kino, Amalien-Tonkino, Sandleiten-Ton-Kino). Weitere Kiba-Kinos befanden sich u. a. in Linz, Ybbs an der Donau, Villach, Gmünd, Deutsch-Wagram, Straßhof, Stockerau, Liesing und Steyrermühl. Seine Beteiligung am Wiener Revuetheater Moulin Rouge sowie verlustreiche Geschäftsentscheidungen brachten die Brüder ins Gerede und führten zum Ausschluss H.s aus der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Nach einer Reihe schwerer finanzieller Fehlschläge bei diversen Firmenbeteiligungen geriet die Allianz ebenfalls ins Wanken und musste im März 1934 Vergleich anmelden. Philipp und Edmund H. wurden wegen Verdachts auf Betrug verhaftet, die Allianz ging 1935 in Konkurs; wenig später war auch das Moulin Rouge bankrott. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 gerieten die Brüder in völlige Isolation. H. wurde Mitte Juli 1938, einen Monat nach Philipp, zunächst nach Dachau und im September desselben Jahres in das KZ Buchenwald deportiert, wo er rund zwei Jahre später die Ermordung seines Bruders durch einen SS-Mann mit ansehen musste. Da sich dieser Vorfall außerhalb des Lagers ereignet hatte und angezeigt wurde, zitierte der Lagerkommandant H. und die übrigen Angehörigen der „Trägerkolonne Schwarz“ zu sich. H. bezeugte als Einziger die Tötung und wurde daraufhin, wie auch seine Kameraden, umgebracht.

Weitere Filmproduktionen: Das grobe Hemd, 1927; Hoch vom Dachstein, 1928; Franz Schubert und sein lachendes Wien, 1928.
L.: H. Stein, Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945, 1999, S. 130, 298f.; A. Loacker, Kino vor dem KZ. Österreichische Filmschaffende als NS-Opfer, in: filmarchiv, 2003, H. 7, S. 7–11 (m. B.); E. Fein – K. Flanner, Rot-Weiß-Rot in Buchenwald. Die österreichischen politischen Häftlinge im Konzentrationslager am Ettersberg bei Weimar 1938–1945, 2008, S. 65f., 103, 241 (auch für Philipp H.); K. Weniger, Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933–1945, 2008, S. 156f. (m. B.).
(K. Weniger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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