Hašler, Karel (1879–1941), Schauspieler, Sänger, Komponist und Kabarettist

Hašler Karel, Schauspieler, Sänger, Komponist und Kabarettist. Geb. Zlíchov, Böhmen (Prag, CZ), 31. 10. 1879; gest. KZ Mauthausen (Oberösterreich), 22. 12. 1941 (ermordet). Sohn des Wagnergehilfen Anton Hašler, ab 1908 mit Zdena Hašler, der Schwester des Komponisten Rudolf Friml, verheiratet. – H. trat schon als Kind 1884 am Prager tschechischen Nationaltheater auf. Er begann eine Lehre als Handschuhmacher und gastierte während seiner Lehrzeit, später als professioneller Schauspieler, ab 1893 mehrmals an dieser Bühne. 1897 schloss er sich der Gesellschaft von →Pavel Švanda in Prag-Smichov, danach anderen reisenden Gesellschaften an. Nach kurzer Tätigkeit am Landestheater Laibach 1902/03 wurde er 1903 Mitglied des Schauspielensembles am Prager Nationaltheater, wo er bis 1915 in ca. 220 Premieren auftrat, meist in Ensemblerollen, aber auch als Romeo in Shakespeares „Romeo und Julia“, als Pierrot in →Arthur Schnitzlers und Ernst von Dohnányis „Der Schleier der Pierrette“ und als Chlestakov in Gogols „Der Revisor“. Ab 1910 war er überdies als Regisseur tätig (u. a. von →František Neumanns Oper „Milkování“, der Vertonung von →Schnitzlers „Liebelei“, und Leo Birinskijs „Mumraj“ / „Narrentanz“). Außerdem übersetzte er Stücke und Libretti für das Nationaltheater, das er 1915 verließ. Danach gastierte er an verschiedenen Prager Bühnen. Bekannt wurde H. aber auch als Sänger und Liederkomponist. 1905 hatte er zusammen mit seinem Freund, dem später berühmt gewordenen Operettenkomponisten Rudolf Friml, ein Musikstudium begonnen. Ab 1908 bereiste er kleine Städte in Böhmen und erreichte insbesondere mit seinen Alt-Prager Liedern wie „Po starých zámeckých schodech“ (Die alte Schlosstreppe) und Liedern mit sentimental-patriotischen Texten wie „Ta naše písnička česká“ (Unser tschechisches Liedchen) ein großes Publikum. Während des 1. Weltkriegs wurden seine antiösterreichischen Lieder populär, weshalb H. von den Behörden verfolgt wurde. 1919 gründete er für seine Liederproduktion einen eigenen Verlag. Parallel zu seiner Tätigkeit als Schauspieler am Nationaltheater verfolgte H. überdies eine Karriere als Kabarettist. So trat er 1910 im internationalen Programm des neu eröffneten Kabaretts im Palais Lucerna in Prag auf und übernahm 1915 das im selben Haus befindliche Kabarett Rokoko, das er 1918–23 unter dem Namen Hašlerova scéna v Lucerně leitete. 1925–28 war er Direktor des Operettentheaters im Varieté Prag-Karolinenthal. Ab 1914 arbeitete er auch für verschiedene Filmgesellschaften, wobei sein Engagement auf diesem Gebiet in den 1920er-Jahren mit der Verbesserung der technischen Möglichkeiten des Films wuchs (Regisseur, Schauspieler, Komponist und Autor von Liedertexten). In den Jahren des Protektorats Böhmen und Mähren (ab 1939) veranstaltete er wieder patriotische Liederabende in kleinen Städten, reagierte mit satirischen Texten auf das Tagesgeschehen und stand unter Beobachtung der Gestapo. 1941 wurde H. während der Arbeit an einem Film denunziert, verhaftet und im KZ Mauthausen ermordet.

Weitere W. (s. auch LČL; Deyl-Procházka): Staropražské písničky, 9 Bde., 1910–20 (ca. 400 Lieder); 7 Original-Revuen (Text und Musik); 3 Operetten; 14 Filmmusiken; ca. 40 Filmrollen. – Weitere Rollen am Nationaltheater: s. Národní divadlo (online, Archiv, Zugriff 2. 3. 2011; m. B.).
L.: ČHS (m. L.); LČL (m. W. u. L.); J. Kotek, Dějiny české populární hudby a zpěvu ... 1–2, 1994–98; Český hraný film / Czech feature film 1, 1898–1930, 1995, 2, 1930–1945, 1998 (s. Reg.); Česká divadla. Enc. divadelních souborů, 2000, bes. S. 199–201 (m. L.); R. Deyl, Písničkář K. H., 2. Aufl. 2007 (m. W. der Lieder); Divadelní ústav (m. B. u. Bibliographie der Kritiken seiner Leistungen als Schauspieler), Národní divadlo (online, Archiv, Zugriff 2. 3. 2011; m. B. u. Rollenverzeichnis), beide Praha, CZ.
(J. Ludvová)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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