Haynau, Julius Jacob Frh. von (1786-1853), Feldzeugmeister

Haynau Julius Jacob Frh. von, General. * Kassel, 14. 1. 1786; † Wien, 14. 3. 1853. Sohn des Landgrafen bzw. Kurfürsten Wilhelm IX. (I.) von Hessen-Kassel und der Rosa v. Lindenthal (geb. Ritter), Tochter eines Apothekers zu Haynau. Trat 1801 als Lt. in das österr. Heer ein und machte die Feldzüge von 1806, 1809 und 1813–15 mit. 1835 GM, 1844 FML, wurde für sein Eingreifen in der Schlacht bei Custozza 1848 mit dem Kommandeurkreuz des Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet. 1849 schlug er den Aufstand in Brescia nieder und belagerte Venedig, als er am 30. 5. 1849 zum FZM und Armeekmdt. in Ungarn ernannt wurde. In einem rastlosen und zielstrebig durchgeführten Feldzug trieb er in ununterbrochenen Kämpfen die aufständ. Ungarn nach Osten zurück und schlug sie am 9. 8. 1849 bei Temesvár kriegsentscheidend. Dafür mit dem Großkreuz des Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet, wurde er nach Beendigung der Kämpfe Generalgouverneur in Ungarn. Von diesem Posten jedoch schon 1850 wieder enthoben und in den Ruhestand versetzt, unternahm er zahlreiche Reisen durch Europa. H. gehörte zu den tüchtigsten Generalen der Ära Radetzkys. Ein geborener Führer, ohne jede Pedanterie, unermüdlich tätig, bedürfnislos, von rücksichtsloser Energie, verfolgte er seine Ziele mit einer Hartnäckigkeit, die gelegentlich an Eigensinn grenzte. Von großer Oppositionslust, jedoch von hingebungsvoller Treue gegenüber seinem Kaiser, sehr fürsorglich für seine Soldaten und daher von ihnen sehr geliebt, war er keineswegs die „Hyäne von Brescia“, die eine feindselige Propaganda aus ihm machte. Auch die strenge Bestrafung der ung. Aufständischen erfolgte weitgehend auf Weisungen von Wien. Freilich, die Mäßigkeit und Ruhe eines großen polit. Charakters besaß er nicht. Er kannte nur seine militär. Normen. Am besten charakterisiert ihn der Ausspruch Radetzkys, daß er wie ein Rasiermesser sei, das man nach Gebrauch sogleich in ein Futteral stecken müsse.

L.: Wurzbach 8 und 28; Alten; ADB; K. v. Schönhals, Biographie des k. k. FZM H., 3. Aufl. 1875; A. Thürheim, Licht- und Schattenbilder aus dem Soldatenleben und der Gesellschaft, 1876, S. 203 ff.; R. H. Bartsch, H. und der Aufstand in Brescia 1848, in: Mitt. des K.A., 1903; A. Luzio, Profili biografici e bozzetti storici, 1906, S. 195 ff.; H. Friedjung, Österr. von 1848–60, 1908–12; R. Kiszling, Die Revolution im Kaisertum Österr. 1848/49, 1948; Österr. Soldatenfreund, Jg. 1850, S. 375, 379, 499, Jg. 1852, S. 437, Jg. 1853, S. 169; Uhlirz II/I, S. 669 ff.; K.A. Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 228f.
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