Heberdey, Rudolf (1864-1936), Archäologe

Heberdey Rudolf, Archäologe. * Ybbs a. d. Donau (N.Ö.), 10. 3. 1864; † Graz, 7. 4. 1936. Stud. in Wien, 1887 Dr.phil. sub auspiciis imperatoris, 1887/88, 1894–98 Probekandidat bzw. provisor. Gymnasiallehrer, 1886–89 Ass., 1894 Priv. Doz. für klass. Archäol. an der Univ. Wien. 1889–92 Stipendiatsreisen in Deutschland, Griechenland und Italien, 1891–1902 Teilnahme an archäolog. Expeditionen in Kilikien, Lykien und Pisidien. 1898–1903 Sekretär des Österr. Archäolog. Inst. in Smyrna, 1903–09 in Athen, 1898–1913 Leiter der Ausgrabungen in Ephesos. 1909 o. Prof. an der Univ. Innsbruck, seit 1911 an der Univ. Graz. Mitgl. der Akad. d. Wiss. in Wien. Von der Philol. ausgehend, in der Wr. Schule auf allen Gebieten der Altertumswiss. ausgebildet, wurde H. frühzeitig Mitarbeiter O. Benndorfs (s. d.) und unternahm im Dienste der Akad. d. Wiss. in Wien ausgedehnte Forschungsreisen im südlichen Kleinasien, deren Hauptziel die Aufnahme und Smlg. der dortigen weitverstreuten epigraph. Denkmäler (Tituli Asiae Minoris) war. 1891/92 durchforschte H. mit A. Wihelm Kilikien, 1894/95 und 1898 mit E. Kalinka Lykien, 1899 und 1902 mit W. Wilberg die Ruinen der pisid. Landstadt Termessos; die „Tituli Termessi“ sind das Hauptwerk H.s auf dem Gebiete der Epigraphik. 1898 zum Sekretär des eben damals gegründeten und rasch aufblühenden österr. Archäolog. Inst. in Smyrna bestellt, leitete H. die nach mehrjährigen Voruntersuchungen 1898 in Angriff genommenen Grabungen in Ephesos in fast alljährlichen Kampagnen bis 1913. Er war Mitarbeiter der monumentalen Publikation „Forschungen in Ephesos“ I–III, in deren Bd. II er die Baugeschichte und -beschreibung des Theaters (gem. mit W. Wilberg) und die in diesem gefundenen Inschriften behandelt. Seit 1904 wandte sich H. besonders der Untersuchung der vorpers. Architekturplastik auf der Akropolis zu; dank seiner scharfsinnigen Kombinationsgabe gelang es ihm, aus den zerschlagenen Resten die Porosskulpturen wiederzugewinnen, womit er einen wesentlichen Beitrag zur Geschichte der altatt. Kunst leistete. Auch mit der Wiederherstellung der Nikebalustrade und Parthenonstud. war er beschäftigt. Als akad. Lehrer eine markante Persönlichkeit, entfaltete H. eine überaus anregende und fruchtbare Tätigkeit; daneben war er unermüdlich an der Bearbeitung und Auswertung des in seinen langen Wanderjahren gesammelten reichen wiss. Materials tätig.

W.: Die Reisen des Pausanias in Griechenland, 1894; Reisen in Kilikien, gem. mit A. Wilhelm, in: Denkschriften Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 44/6, 1896; Opramoas, Inschriften vom Heroon zu Rhodiapolis, 1897; Forschungen in Ephesos II.: Das Theater in Ephesos, 1912; Altatt. Porosskulptur, 1919; Die Komposition des Reliefs an der Balustrade der Athena Nike, in: Jahreshe. des Österr. Archäolog. Inst., Bd. 21/22, 1922; Termess. Stud., in: Denkschriften Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 69/3, 1929; Termessos, in: RE V, A (1), 1934; Tituli Termessi et agri Termessensis, in: Tituli Asiae Minoris III/1, 1941.
L.: Jahreshe. des Österr. Archäolog. Inst., Bd. 30, 1937, Beibl.; Bursians Biogr. Jb. für Altertumskde. 63, 1937 (Schriftenverzeichnis); Almanach Wien, 1936 (mit Schriftenverzeichnis); Christliche Kunstbll. 1936, S. 91; Forschungen und Fortschritte 10, 1934.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 231
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