Hechenbleikner (Hechenblaikner), Louis (Hans) (1893–1983), Graphiker, Maler und Bildhauer

Hechenbleikner (Hechenblaikner) Louis (Hans), Graphiker, Maler und Bildhauer. Geb. Mühlau (Innsbruck, Tirol), 29. 10. 1893; gest. Kitzbühel (Tirol), 16. 8. 1983; röm.-kath. Sohn eines Gastwirts; verheiratet mit Christl Ritter, ab 1944 Assistentin im Museum of Modern Art, New York. – H. besuchte die Staatsgewerbeschule in Innsbruck und arbeitete anschließend in der Glasmalerei- und Mosaik-Anstalt in Wilten (Innsbruck). 1913 begann er sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, das durch den Frontdienst in einer Fliegerabteilung unterbrochen wurde, und bildete sich 1919–22 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Karl Becker-Gundahl und Ludwig von Herterich weiter; bereits 1921 gab er sein Ausstellungsdebüt in der Galerie Unterberger in Innsbruck. Ab 1923 als freischaffender Künstler in New York tätig, fand H. bald Kontakte zu wichtigen Künstlern wie Georgia O’Keeffe oder Alfred Stieglitz und erhielt 1939 eine Professur für graphische Kunst und Kunstgeschichte an der City University of New York. Bekannt wurde er durch seine ab ca. 1939 entstandenen Holzstichillustrationen für die US-amerikanischen Buchausgaben Tolstojs „Anna Karenina“ und Dostojewskijs „Die Brüder Karamasow“. Weiters hervorzuheben sind die 1944 entstandenen, persönliche Betroffenheit vermittelnden Holzstiche „War Plate“ zu den Schrecken des 2. Weltkriegs. In den 1960er-Jahren hielt er sich über die Sommermonate in Paris auf, wo er im Atelier Desjobert u. a. Paul Wunderlich kennenlernte, 1973 kehrte er nach Tirol zurück und ließ sich in Kitzbühel nieder. In seinen Arbeiten vor 1945 reflektierte H. das amerikanische Großstadtleben, die Arbeitswelt und Alltagskultur in einer neorealistischen Gegenständlichkeit; mit seinen distanziert wirkenden momenthaften Milieustudien erreichte er eine eigenständige Position innerhalb der realistischen Kunst der USA dieser Zeit. Ab Ende der 1920er-Jahre bevorzugte H. Holzschnitte (z. B. Morning on the lake, 1930) sowie Holzstiche und setzte auf einen starken Schwarz-Weiß-Kontrast bzw. deutliche Reduktion der Figürlichkeit auf kubische Formen. Nach 1945 bestimmte die Rezeption unterschiedlicher moderner Kunstströmungen sein weiteres Schaffen, ab 1952 entstanden vor allem Farblithographien, anfangs vom synthetischen Kubismus beeinflusste Blätter wie „Marionettes“ (1952) oder „Carnival“ (1954) mit stilisierten Figuren aus endlosen Linienkurven auf rein abstrakt gegliederten Flächen. In den 1960er-Jahren löste er sich von der zeichnerischen Linie und bevorzugte nun Aquarell, Gouache, Mischtechnik und Tuschlavierung, wobei unterschiedlichste Einflüsse des abstrakten Expressionismus, der geometrischen Abstraktion und der Kunst von Naturvölkern zum Tragen kamen. Späte Ölgemälde vereinen Formensprachen aus Farbfeldmalerei, abstrakter Gestik mit Schriftzeichen und fabelhafter Figürlichkeit. Seine Arbeiten zeigte er u. a. auf Ausstellungen in New York, Philadelphia, London und Paris. Teile seines Œuvres befinden sich im Metropolitan Museum of Art und im Museum of Modern Art (beide New York).

Weitere W.: s. Bertsch, 1993. – Nachlass: Universität Innsbruck, Tirol.
L.: AKL; Vollmer; Who’s Who in American Art, 1966; Die ungewisse Hoffnung. Österreichische Malerei und Graphik zwischen 1918 und 1938, ed. Ch. Bertsch – M. Neuwirth, 1993, S. 247; Ch. Bertsch u. a., L. H. (1893–1983), Zeichen Signs, Innsbruck 1993 (Kat., m. B. u. tw. W.); C. Wedekind, Der Nachlaß „L. H.“, in: Kunst in Tirol. 20. Jahrhundert 2, ed. Ch. Bertsch, 1997, S. 835–844; Who was who in American art, 1564–1975, 2, 1999; C. Kraus, Zwischen den Zeiten. Malerei und Graphik in Tirol 1918–1945, 1999, s. Reg.; Farbenlust und Formgedanken. Abstrakte Wege in Österreich 1900–2000, ed. E. Patka – G. Nagler, 2000, S. 124; Realismus. Abstraktion. Tiroler Kunst und Künstlerschaft 1951–1961, Innsbruck 2002, S. 39 (Kat.); Zusammengetragen, ed. Ch. Bertsch – S. Höller, 2003; G. Pfaundler-Spat, Tirol-Lexikon, neubearbeitete Aufl. 2005.
(D. Trier)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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