Heider, Karl (1856-1935), Zoologe

Heider Karl, Zoologe. * Wien, 28. 4. 1856; † Schloß Thinnfeld b. Dt. Feistritz (Stmk.), 2. 7. 1935. Sohn des Folgenden. Stud. 1874–77 an der Univ. Graz Med., wo die durch F. E. Schulze vertretene Zool. sein besonderes Interesse erweckte, so daß er, 1877 nach Wien zurückgekehrt, sich lediglich zoolog. Stud. widmete. 1879 Dr.phil., 1883 Dr.med. 1885 habilit. er sich an den Univ. Wien und Berlin, wohin F. E. Schulze berufen worden war. 1894 o. Prof. an der Univ. Innsbruck, 1917 an der Univ. Berlin Nachfolger seines Lehrers F. E. Schulze, 1924 i.R., leitete er jedoch das zoolog. Inst. noch bis 1926. In seinem Hauptwerk „Lehrbuch der vergleichenden Entwicklungsgeschichte der wirbellosen Tiere“ (gem. mit E. Korschelt), 2 Tle., 1890–1910, 2. Aufl. 1936, brachte er zum ersten Mal eine geschlossene Darstellung der eben sich machtvoll entfaltenden Entwicklungsmechanik, die nicht nur eine Ordnung und Zusammenfassung des bis dahin in vielen Einzelarbeiten verstreuten Stoffes enthält, sondern auch zahlreiche Grundbegriffe und Fragestellungen erstmals exakt umgrenzt. H.s weitere Arbeiten sind meist morpholog. Inhaltes und befassen sich mit der beschreibenden Entwicklungsgeschichte Wirbelloser, z. B. die ausgezeichneten Spezialarbeiten über Oscarella, Hydrophilus und die Salpen. Später wandte sich H. auch Fragen der allg. Physiol. zu, so dem Determinationsproblem und der zytolog. Erklärung der Vererbungserscheinungen. Bereits 1905 machte er nicht nur auf die gekoppelte Vererbung der in einem Chromosom enthaltenen Anlagen aufmerksam, sondern auch schon auf die Möglichkeit eines Austausches einzelner Anlagen bei der Chromosomenkonjugation, wie dies dann später von Th. H. Morgan und seiner Schule experimentell nachgewiesen wurde. Korr. Mitgl. der Akad. d. Wiss. in Wien.

W.: Zur Metamorphose der Oscarella lobularis O. Schm., in: Arbeiten aus dem zoolog. Inst. der Univ. Wien und der zoolog. Station Triest, Bd. 6, 1886 (Berichtigung hiezu in: Zoolog. Anzeiger, Bd. 17, 1894); Die Embryonalentwicklung von Hydrophilus piceus, L., 1889; Beiträge zur Embryol. von Salpa fusiformis Cuv., in: Abh. der Senckenberg. naturforschenden Ges., 1895; Vererbung und Chromosomen, 1906; Entwicklungsgeschichte und Morphol. der Wirbellosen, in· Die Kultur der Gegenwart, Tl. III, Abt. IV/2, 1913; Phylogenie der Wirbellosen. ebenda, Tl. III, Abt. IV/4, 1914; etc. Vgl CSP 10, 15, Kukula 1892 und 1893.
L.: A.Pr. vom 16. 7. 1935; Die Naturwissenschaften, Jg. 23, 1935, S. 791–96; Almanach Wien, 1936; Botanik und Zoologie in Österr.; Kürschner, Gel.-Kal. 4, 1931.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 241f.
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