Heintl, Franz von (1769-1839), Volkswirtschaftler und Landwirt

Heintl Franz von, Volkswirtschaftler und Landwirt. * Altstadt (Staré Město, Mähren), 30. 10. 1769; † Wien, 15. 4. 1839. Stud. an der Univ. Wien, 1793 Dr.jur.; wirkte 1794–1825 als angesehener Advokat mit weitreichender Praxis und erwarb durch kluge Beobachtung des wechselnden Geldmarktes und durch glückliche Kriegsgeschäfte ein bedeutendes Vermögen. 1802 kaufte er in N.Ö. die Adelsgüter Nering und Raspach und wandelte sie in Musterwirtschaften um. Als prakt. schöpferischer Landwirt gründete er 1807 die k. k. Landwirtschaftsges. in Wien, nach deren Beispiel ähnliche Vereinigungen in den Kronländern und im Ausland folgten. 1808 Mitbegründer der wechselseitigen Feuerschaden- und 1832 der Hagelversicherungsges. in Wien. H. gab zur Behebung der Wirtschaftsnöte der napoleon. Kriege zahlreiche geniale Anregungen. Seine reiche schriftstellerische Tätigkeit umfaßte das volks- und landwirtschaftliche Gebiet. Als großer Kunst- und Musikfreund veranstaltete er in seinem Hause in Wien musikal. Gesellschaftsabende. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1808 nob.

W.: Über die Notwendigkeit und über die Mittel, große Theuerung der Lebensmittel und Hungersnoth abzuwenden, 1805; Aufruf an meine Mitbürger zur Vereinigung gegen den eindringenden Holzmangel, 1805; Die Landwirtschaft des österr. Kaiserthums, 5 Tle., 1808–35; Unterricht in der Obstbaumzucht für Landleute, 1810; Über Staatsschulden und Papiergeld, in: Hesperus, 1813; Über die Blattern der Schafe, derselben Behandlung und Impfung, 1813; Anleitung, den Seidenbau im Freien zu betreiben und mit der üblichen Seidenraupenzucht im Zimmer in eine sehr nützliche Verbindung zu bringen, 1815; Anregung einer öffentlichen Bank, in: Hesperus, 1816; Einladung an die Weinpflanzer der sämtlichen k. k. österr. Erbländer zur Errichtung einer Rebschule, um Veredlung des Weinbaues und der inländ. Weine zu bewirken, 1817; Der Weinbau des österr. Kaiserthums, in: Die Landwirtschaft des österr. Kaiserthums, Bd. 4 und 5, 1820; Unterricht im Seidenbau, 1829; Weinbau. Nach den zwölf Monaten des Jahres in zwölf Abt. vorgetragen, 1831; Über die Mittel, die Futtererzeugung in Österr. unter der Enns zu vermehren, 1831; Bemerkungen auf einer Reise von Wien nach Paris, im Jahre 1831, 4 Tle., 1832–34; Einige Bemerkungen über Viehseuchen und Krankheiten der Haustiere, 1839.
L.: F. v. H., Die merkwürdigeren Begebenheiten meines Lebens (Autobiographie), 1838; Unsere Heimat, N.F. 9, 1936, S. 312–20; Wurzbach.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 250f.
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