Heinzelmann, Johannes (1873-1946), Superintendent

Heinzelmann Johannes, Superintendent. * Halberstadt (Sachsen), 15. 4. 1873; † Linz a. d. Donau, 14. 1. 1946. Aus altmärk. Pfarrer- und Professorenfamilie, der Ahne war k. Rat in Wien, mußte aber wegen hussit. Ketzerei nach Böhmen fliehen. Nach theolog, und philosoph. Stud. in Tübingen, Halle, Berlin und Jena 1899 Vikar in Görz und Villach, 1902–46 Pfarrer in Villach, 1928 Superintendent der Wr. Diözese A. B., die damals auch N.Ö., Kärnten und Steiermark, also zwei Drittel der evang. Kirche Österr., umfaßte. 1934 zum geistlichen Leiter („Notbischof”) der Gesamtkirche neben dem jurist. Präs. des Oberkirchenrates gewählt, verteidigte er die Kirche ebenso gegen die Bedrohung der Gleichberechtigung und Unabhängigkeit von außen wie gegen die Gefahr der Überfremdung durch den Nationalsozialismus von innen. Seine Hirtenbriefe sind die wichtigsten Dokumente der evang. Kirche jener bewegten Jahre. 1938 legte er das Amt der geistlichen Leitung der Gesamtkirche nieder, blieb aber Superintendent und protestierte auch weiterhin gegen nationalsozialist. Übergriffe in und außerhalb der Kirche, besonders gegen die Judenverfolgungen. Als Prediger und Vortragender, als kirchlicher Führer und Seelsorger gleich hervorragend, theolog. und humanist. umfassend gebildet, auch als religiöser Lyriker beachtlich, prägte er nachhaltig die evang. Kirche Österr. 1936 Dr.theol. h.c. der Univ. Halle-Wittenberg.

W.: Rückblick auf mein Leben, in: Die evang. Diaspora, 1941, H. 1 und 2; Gedichte und Aufsätze, in: Die christliche Welt, Marburg a. d. L. bzw. Gotha; Aufsätze und Predigten im „Säemann“ (Graz).
L.: Amtsbl. für die evang. Kirche A. und H. B. in Österr., 1946, S. 21 f.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 252
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