Henckel von Donnersmarck, Hugo Gf. (1811-1890), Grundbesitzer und Industrieller

Henckel von Donnersmarck Hugo Graf, Grundbesitzer und Industrieller. * Siemianowitz, 26. 4. 1811; † Wien, 4. 10. 1890. Stud. zuerst in Breslau, dann in Berlin Kameralwiss. und übernahm 1832 den ausgedehnten väterlichen Besitz der Standesherrschaft Beuthen (Oberschlesien). Dort widmete er sich der Hebung der Landwirtschaft und der Tierveredelung. Auf seine Zuchtversuche gehen die später so gesuchten Halbblutpferde zurück. 1834 richtete er einen bedeutenden Rennstall und ein Gestüt für Vollblutpferdezucht ein, das er nach Erwerb der Herrschaft Karlburg (Ungarn) 1875 dorthin verlegte. 1846 kam er in den Besitz der Herrschaften Wolfsberg und St. Leonhard in Kärnten, wo er sich durch Einführung des Edelobstbaues im Lavanttal sowie durch Verbesserungen in der Forst- und Jagdverwaltung große Verdienste erwarb, so legte er 1885–89 in Wolfsberg einen Wildpark an. Am bedeutsamsten war jedoch H.s Wirken auf industriellem Gebiet. 1835–40 errichtete er in Laurahütte (Oberschlesien) ein Puddling- und Walzwerk — die erste und größte Anlage dieser Art auf dt. Gebiet — und baute auch den Eisen- und Zinkhütten-, sowie Grubenbetrieb aus. 1875 gründete er in Hugohütte bei Tarnowitz die erste Zellulosefabrik Deutschlands. Auch die mit den Kärntner Herrschaften erworbenen Eisenbergbaue, Kohlengruben und Hüttenwerke nahmen unter seiner Leitung neuen Aufschwung, besonders das Eisenwerk Frantschach. 1851/52 errichtete er in Zeltweg ein Puddling- und Walzwerk, wohin er den Hauptbetrieb von Frantschach verlegte. In diesem Werk, das heute der Alpinen Montan Ges.gehört, wurden die ersten Panzerplatten in Österr. erzeugt. Das Eisenwerk Frantschach legte er 1878 still und gründete an seiner Stelle 1881/82 eine Natronzellstoffabrik — seit 1889 ist eine Abt. für Kraftpapiere angeschlossen — die für den Ort von großer wirtschaftlicher Bedeutung wurde. Die Erben H.s verkauften diesen Betrieb 1920 an eine A.G. H., der für seine Arbeiter in vorbildlicher Weise viele soziale Einrichtungen geschaffen hat, wurde wegen seiner Verdienste um die Industrie und wegen seines humanitären Wirkens vielfach geehrt und ausgezeichnet.

L.: A.Pr. vom 4. 10. 1890; Wr.Ztg. und Klagenfurter Ztg. vom 7. 10. 1890; Das reichsgräfliche Haus H. v. D. unter besonderer Berücksichtigung des Reichsgrafen H. H. v. D., in: Österr.-Ung. Revue 12, 1892, S. 288, und 13, 1892, S. 36 ff., S. 107 ff.; Orden-Ritter Album, hrsg. von F. Schilling, 1893; Kärntens gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart, hrsg. von der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Kärnten 1953, S. 293 f., S. 373; (K. Dinklage) Vom Eisenwerk zur Kraftpapierfabrik, Geschichte des Industriewerkes Frantschach, 1954, S. 79 f., S. 87, S. 109 f., S. 114 ff. und S. 124.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 271f.
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