Hermann, Johann von (1800-1890), Lehrer

Hermann Johann von, Pädagoge. * Naketendörflas b. Plan (Nahý Újezdec/Planá, Böhmen), 17. 11. 1800; † Wien, 17. 7. 1890. Als Sohn eines Leinwebers aus Nordwestböhmen erfuhr er die erste Förderung in seiner Knabenzeit durch Dorfpfarrer, die seine Lehrbegabung erkannten. Mit 15 Jahren aushilfsweise Dorfschullehrer, erhielt er 1817 am Pilsener Präparandenkurs vorzeitig das Zeugnis der Lehrbefähigung und wurde nach weiterer Praxis in Dorfschulen 1820 Aushelfer an der Planer Hauptschule. Von da ging er trotz seiner Notlage nach Prag, wo er das Gymn. besuchte und philosoph. und jurid. Stud. trieb. Den letzten jurid. Lehrgang machte H. 1832/33 in Wien und war dann mit großem Erfolg als Privatlehrer in adeligen Häusern tätig. 1839 erwarb er eine private Erziehungsanstalt in Wien-Alsergrund, die er bis 1850 leitete. 1835, mit der Erfindung des Setzkastens, begann H.s bahnbrechende Tätigkeit für die Erziehungslehre: 1840 wurde erstmals in einer Lehr- und Erziehungsanstalt Turnen betrieben, zahlreiche Lehrbehelfe und Bücher, auch für den Fremdsprachen- und Gesangsunterricht, wurden aus der Praxis heraus geschaffen. Im Zuge der Unterrichtsreform des Unterrichtsmin. Gf. Thun 1850–54 Inspektor der steir. Volksschulen. Nach Verzicht auf diese Stelle errichtete H. in Wien-Landstraße neuerdings eine Erziehungsanstalt und 1859 in der Innern Stadt eine öffentliche Knaben-Hauptschule (Elementarschule zur Vorbereitung für die Mittelschule), die er zuletzt als erste Volksschule des Kath. Schulver. 1886–90 leitete. H., mit der Revision der deutschsprachigen Volksschullehrbücher betraut, war als einziger Elementarschullehrer 1863–67 Mitgl. des Schmerlingschen Unterrichtsrates. 1867 nob.

W.: Wie ich meine Zöglinge lesen gelehrt, 1835; Der Schreibfehler ohne Linien und Vorschriften, 1839; Anleitung zum Gebrauch meines Setzkastens, 1839, 3. Aufl. 1867; Lautir- und Lesebuch, 1850, 2. Aufl. 1854; Anleitung zum anschaulichen Zählen, 1857; Deutsches Lesebuch, 1859; Sprichworte und Denksprüche für unsre Schulen, 1862; Das Turnen in seiner Wichtigkeit für die körperliche und geistige Ausbildung der Jugend, 1867; Der Eigensinn der Kinder, 1871; Die Hausmutter in der Kinderstube, 1874; Lieder für die Volks- und Bürgerschulen, 1879; Die Briefe des alten Lehrers H. an den jungen Lehrer Morgenbesser, in: Jb. für Lehrer, Eltern und Erzieher, Jg. 5–10, 16, 18, 19, 1838–54.
L.: Extrabl. vom 17. 11. 1880; Jahresberr. der Knaben-Hauptschule (später Volksschule) in Wien I, Schulerstraße 20, 1868; Erziehung und Unterricht, März 1954 (mit Abdruck der Selbstbiographie von 1867); Wurzbach.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 8, 1958), S. 287f.
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