Herzogenberg, Heinrich Frh. von (1843-1900), Komponist

Herzogenberg Heinrich Frh. von, Komponist. * Graz, 10. 6. 1843; † Wiesbaden, 9. 10. 1900. Entstammte dem aus Frankreich emigrierten Adelsgeschlecht „de Peccaduc“, Sohn eines k. k. Kämmerers und Gubernialsekretärs; wurde im Jesuitenkolleg in Feldkirch (Vorarlberg) und an Gymn. in München, Dresden und Graz erzogen; stud. Rechts-, Staatswiss., Phil. an der Univ. Wien und Komposition bei F. O. Dessoff (s. d.) am Wr. Konservatorium, wo er auch die entscheidende Bekanntschaft mit J. Brahms (s. d.), dessen Kreis er fortan angehörte, machte. 1868 verehelichte er sich mit der musikal. hervorragend gebildeten Elisabeth v. Stockhausen (* Paris, 13. 4. 1847; † San Remo, 7. 1. 1892), einer Schülerin J. Brahms’, mit dem sie innige Freundschaft verband. H. übersiedelte nach Graz, wo er nur seinem Schaffen lebte. Seit 1872 in Leipzig, beteiligte er sich dort an der Gründung des Bach-Ver. und übernahm 1875 dessen Leitung. 1885 nach Berlin berufen, zum Prof. und Leiter der Abt. für Komposition an der kgl. Hochschule für Musik und Mitgl. des Senates der kgl. Akad. der Künste ernannt; 1889 Vorsteher einer Meisterschule für musikal. Komposition an der Akad. der Künste, gründete und leitete er die „Musikal. Gesellschaft“. 1887 unterbrach Krankheit seine Lehrtätigkeit, doch wirkte er noch 1892–1900 in seinem Berliner Amt. Von weitreichender Geistesbildung und umfassendem Wissen in allen Fragen der bildenden Kunst und Musik, war er ein gesuchter Gesellschafter, dessen Urteil selbst J. Brahms schätzte.

W.: Symphonien: Odysseus, op. 16, c-Moll, op. 50, B-Dur, op. 70; 1 Konzert; Kammermusik; Klavierwerke; Chorwerke; Kirchenmusik; Lieder. Werksverzeichnis: J. Rieter-Biedermann, Leipzig, 1893 und 1900, Beiträge in: Vierteljahresschrift für Musikwiss., Ms. für Gottesdienst und kirchliche Kunst.
L.: J. Spengler, H. v. H. in seinen Vokalwerken, in: Die Sängerhalle, 1893; Dt. Rundschau, Jg. 27, 1900, Jg. 29, 1902, Jg. 29, 1903; Ms. für Gottesdienst und kirchliche Kunst, Jg. 5, 1900, Jg. 12, 1907; W. Altmann, H. v. H. Sein Leben und Schaffen, in: Die Musik II, 1903 (auch als erweiterter Sonderdruck erschienen); Der Türmer 6, 1903; Biogr. Jb. 1904; F. Spitta, H. v. H.s Bedeutung für die evang. Kirchenmusik, in: Jb. Peters, Jg. 26, 1920; J. Brahms im Briefwechsel mit H. v. H. und Elisabeth v. H., hrsg. von M. Kalbeck, 2 Bde., 1907; J. Brahms in seinen Schriften und Briefen, in: Klassiker der Tonkunst in ihren Schriften und Briefen, 1943; H. Merian, Geschichte der Musik im 19. Jh., 1902; W. Niemann, Die Musik der Gegenwart, 1913; E. Smyth, Impressions that Remained, Memoirs, 1923; Ph. Spitta, Musikal. Seelenmessen, 1892; W. Altmann, Hdb. für Streichquartettspieler, 1928/29; W. W. Cobbett, Cyclopedic Survey of Chamber Music, 1929; Abert; Die Musik in Geschichte und Gegenwart; Grove; F. Herzfeld, Lex. der Musik, 1957; Moser; Reissmann; Riemann; Schmidl; H. Kretzschmar, Führer durch den Konzertsaal, 3. Aufl., Bd. 1, 1898; F. Pazdirek, Universal Hdb. der Musik aller Zeiten und Völker, 1904. Vgl. die Brahmsbiographien von A. v. Ehrmann, K. Geiringer, M. Kalbeck, F. May, W. Niemann.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 9, 1959), S. 302
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