Hirsch, Moritz Frh. von (1831-1896), Finanzmann

Hirsch Moritz Frh. von, Finanzmann. * München, 9. 12. 1831; † Ó-Gyalla b. Komorn (Stará Ďala/Komárno, Slowakei), 21. 4. 1896. Sohn eines bayr. Hofbankiers. Trat 1851 in den Dienst eines Brüsseler Bankhauses, dessen Mitinhaber und Leiter der Pariser Filiale er wurde. In Paris entwickelte er den Plan einer Eisenbahnverbindung Wiens mit der Türkei, den er im Einvernehmen mit der Südbahnges. und den österr. Staatsbahnen verwirklichen wollte. Da die Verhandlungen in Wien am Widerstand verschiedener Finanzkreise scheiterten, trat er in direkte Verbindung mit der türk. Regierung, die ihm 1869 die Generalkonzession für Eisenbahnbau erteilte. Es wurde eine A.G. mit dem Sitz in Wien gegründet, welche zur Finanzierung der geplanten Bahnbauten mit Hilfe der Anglobank 1871 die sogenannten „Türkenlose“ ausgab. H. selbst, der in dieser Zeit österr. Staatsbürger wurde, erwarb bei den Bauten in der Türkei ein großes Vermögen, aus dem er jedoch beträchtliche Summen wohltätigen Zwecken zuführte. So unterstützte er die „Alliance Israélite Universelle“, die Sanitätshilfe im Russ.-Türk. Krieg und war vor allem bestrebt, die Notlage der osteurop. Juden zu mildern. H. erwarb große Ländereien in Argentinien, um dort Kolonien für russ. Juden anzulegen. 1891 gründete er die „Jewish Colonisation Association“ die zur bedeutendsten jüd. Wohlfahrtseinrichtung wurde — und den „Hirschschen Schulfonds in Galizien“. In Amerika schuf er den „Baron-Hirsch-Fonds in New York“. H. trat am Berliner Kongreß für die Gleichberechtigung der Juden in den Balkanstaaten ein; für den Judenstaatsplan Th. Herzls (s. d.) konnte er jedoch nicht gewonnen werden.

L.: A.Pr. vom 21. und 22., R.P. vom 23. 4. 1896; Wininger; Jüd. Lex.; Enc. Jud.; Jew. Enc.; Otto 11; Révai 10.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 9, 1959), S. 331
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>