Hohenlohe-Schillingsfürst, Gottfried Prinz zu (1867-1932), Diplomat und Generalmajor

Hohenlohe-Schillingsfürst Gottfried Prinz zu, Diplomat und General. * Wien, 8. 11. 1867; † Wien, 7. 11. 1932. Sohn des Obersthofmeisters Konstantin Prinz zu H.-S. (s. d.), Bruder des Folgenden und des Kanonisten P. Konstantin (Philipp Prinz) zu H.-S. (s. d.). Absolv. das Schottengymn. in Wien, trat 1887 in das Husarenrgt. n. 9 ein, 1889 Lt., 1893–95 Kriegsschule, 1895 dem Generalstab zugeteilt, 1900 Hptm., 1902 Militärattaché in St. Petersburg, 1906 Mjr., 1906 Flügeladj., 1907 beurlaubt und Übertritt in den diplomat. Dienst. 1908 ließ sich H. gegen Karenz der Bezüge in den Stand der Disponibilität übernehmen. Dieser ungewöhnliche Schritt hing unmittelbar mit seiner Verlobung mit der Erzhgn. Marie Henriette, Tochter des Erzh. Friedrich, zusammen (Heirat in Baden am 3. 6. 1908). Ein Beweis für sein fortdauernd gutes Verhältnis zu den Kaiserhöfen von Wien und St. Petersburg war die ihm anvertraute Sondermission, dem Zaren am 2. 2. 1913 eine Botschaft zu überreichen, die zur Entspannung und Abrüstung nach der großen Balkankrise des Winters 1912/13 beitrug. April 1914 entschloß sich H. zum Wiedereintritt in die diplomat. Aktivität, während der seine Gattin auf das ihr zukommende Prädikat „k.u.k. Hoheit“ verzichten mußte. Am 4. 8. 1914 ernannte ihn K. Franz Joseph (s. d.) zum Botschafter am dt. Kaiserhofe. Überzeugt von der Richtigkeit der dt.-österr. Bündnisidee wollte H. den Kurs unter Beachtung der vollen Gleichberechtigung gelenkt wissen und war von 1917 an auch von der Notwendigkeit der Herbeiführung eines möglichst baldigen Friedensschlusses überzeugt. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u.a. 1917 GM i.d.R., Geh. Rat, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, zog er sich 1918 endgültig vom Staatsdienst und von der Politik zurück. Doch seiner Vorliebe für den Pferdesport blieb H. auch unter den gewandelten öffentlichen Verhältnissen treu. Noch 1927 ins Direktorium des Jockeiklubs für Österr. gewählt, mußte er sich, ab 1928 dessen Präs., mit manchen finanziellen Schwierigkeiten abfinden.

L.: N.Fr.Pr. vom 8., 10. und 11., Wr.Ztg. vom 9. 11., ÖWZ vom 2. 12. 1932; Jb. des k.u.k. auswärtigen Dienstes, Jg. 20, 1916; O. Czernin v. Chudenitz, Im Weltkrieg, 1. und 2. Aufl. 1919; E. Glaise-Horstenau, Die Katastrophe, 1929; C. v. Werkmann, Deutschland als Verbündeter, 1931; Uhlirz, Bd. 2/2, S. 1102.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 10, 1959), S. 392
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