Huemer, Johann (1849-1915), Schuldirektor und Altphilologe

Huemer Johann, Schulmann und Philologe. * Raab i. Innkreis (O.Ö.), 18. 4. 1849; † Reichenau (N.Ö.), 20. 9. 1915. Nach der Reifeprüfung am Gymn. in Linz 1869, stud. er 1869–72 an der Univ. Wien klass. Philol. und Germanistik, legte 1874 die Lehramtsprüfung aus den Hauptfächern Latein und Griech. und 1876 aus Dt. als Nebenfach ab. 1878 Dr. phil. H. wirkte 1873/74 als Supplent am damaligen Realgymn. Wien III., 1874/75 als Gymn.-Lehrer am damaligen Realgymn. Brünn, von 1875–88 als Lehrer am Gymn. in Wien IX., 1888–91 als Dir. des Gymn. Wien II. und 1891–97 als Landesschulinspektor in N.Ö. Daneben war er von 1886 an als Hilfskraft am Department für Mittelschulen im Min. für Kultus und Unterricht und seit dessen Umwandlung in das Department für pädagog.-didakt. Angelegenheiten als dessen Leiter im Range eines Hofrates tätig. In diese Zeit fallen hervorragende Neuerungen auf dem Gebiete des Mittelschulwesens: 1884 Instruktionen für das Lehramt an Gymn. (2. Aufl. 1900), 1885 Weisungen zur Führung des Schulamtes an den Gymn. in Österr.; Zulassung der Frauen zum philosoph. Stud. 1897, zum med. Stud. 1900; 1908 die Mittelschulenquête am k. k. Min. für Kultus und Unterricht und in deren Gefolge 1908 die Begründung des Realgymn. und Reformrealgymn., 1909 die neuen Lehrpläne für die Gymn. und Realschulen, 1910 die Enquête für körperliche Erziehung, 1911 die Erneuerung der Prüfungsvorschrift für das Lehramt an Mittelschulen. 1896–1915 Mithrsg. der „Z. für die österr. Gymn.“ H. entfaltete auch eine reiche wiss. Tätigkeit, die sich sowohl auf röm. Dichter und Schriftsteller wie auf das latein. Schrifttum des Mittelalters erstreckte.

W.: De Sedulii poetae vita et scriptis commentatio, Diss. Wien, 1878; Über ein Glossenwerk zum Dichter Sedulius, zugleich ein Beitrag zu den grammat. Schriften des Remigius von Auxerre, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 96, 1880, S. 505; Hugonis Ambianensis sive Ribomontensis opuscula, 1880; Q. Horatii Flacci carmina selecta, 1882, 9. Aufl. 1914; Cruindmeli sive Fulcharii ars metrica, 1883; Die Epitomae des Grammatikers Vergilius Maro, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 99, 1881, S. 509; Sedulii opera omnia, in: CSEL, Bd. 10, 1885; Vergilii Maronis grammatici opera (ed. princeps), 1886; Das Registrum multorum auctorum des Hugo von Trimberg, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 116, 1888, S. 145; Gai Vetti Aquilini Juvenci evangeliorum libri IV, in: CSEL, Bd. 24, 1891; Hauptregeln der griech. Syntax, 1892, 10. Aufl. 1910; Die Smlg. vulgärlatein. Wortformen, in: Verh. der 42. Versmlg. dt. Philol. und Schulmänner in Wien, 1893; Gall. Rhythmen und gall. Latein, in: Festgabe des Eranos Vindobonensis, zur 42. Versmlg. dt. Philol. und Schulmänner in Wien, 1893; Vademecum für Kandidaten des Mittelschullehramtes in Österr., 1895; zahlreiche Aufsätze zu Vergil, Horaz, Tacitus, zur spät- und mittellatein. Metrik und zur latein. Literatur des Mittelalters, pädagog. Abh.
L.: Wr.Ztg. vom 21. 9., N.Fr.Pr. vom 21. und 22. 9. 1915; Aus dem Leben eines Schulmannes (Autobiographie), in: Z. für die österr. Gymn., Jg. 66, 1915, S. 1005–17; R. Wolkan, J. H. als philolog. Schriftsteller, ebenda, S. 1018–22; A. Stitz, J. H.s Wirksamkeit als Schulmann und als Referent über das Mittelschulwesen, ebenda, S. 1022–25; J. Tominsek, J. H., ein Gedenkbl., ebenda, S. 1025–29; Wer ist’s? 1908.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 11, 1961), S. 5
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