Hurter-Ammann, Friedrich Emanuel von (1787-1865), Historiker

Hurter-Ammann Friedrich Emanuel von, Historiker. * Schaffhausen (Schweiz), 19. 3. 1787; † Graz, 27. 8. 1865. Vater der drei Folgenden. Stud. 1804–06 an der Univ. Göttingen, wo die rationalist. Theol. ihn abstieß. 1808–24 Landpfarrer, Triumvir und seit 1835 Antistes in Schaffhausen. Der kath. Kirche brachte er achtungsvolles Verständnis entgegen und suchte ihr in den schweizer. Religionswirren zu helfen. Seine genuine, dem Katholizismus freundliche Haltung reifte unter den Einwirkungen der Französ. Revolution und der Romantik zu konservativer Staatsauffassung und vertiefter Erkenntnis der kath. Vergangenheit. Diese Geistesrichtung trug ihm Schwierigkeiten mit seinen Amtsbrüdern ein, so daß er 1841 seine Ämter niederlegte. Persönlicher und brieflicher Verkehr mit führenden Katholiken bereiteten seine am 16. 6. 1844 zu Rom erfolgte Konversion vor. Seine hist. Arbeiten hatten ihn bereits in weiten Kreisen bekannt gemacht. Am 1. 1. 1846 berief ihn Metternich als Hofrat und Reichshistoriographen nach Wien, wo er 1848 entlassen, 1852 wieder zurückberufen wurde. Trotz natürlicher Begabung für Geschichte, eisernem Fleiß und einem beachtlichen Quellenstud. erheben sich seine Werke nicht über pragmat. verarbeitete Stoffsmlgn., 1852 nob.

W.: Geschichte des ostgot. Kg. Theoderich und seiner Regierung, 1807; Innozenz III., 4 Bde., 1834–42, Bd. 1, 2, 2. Aufl. 1838, mehrfach übersetzt; Der Antistes Hurter von Schaffhausen und sogenannte Amtsbrüder, 1840; Ausflug nach Wien und Preßburg, 2 Bde., 1840; Denkwürdigkeiten aus dem letzten Decennium des 18. Jh., 1840; Die Befeindung der kath. Kirche in der Schweiz seit 1831, 4 Abt., 1842f.; Geschichte K. Ferdinands II. und seiner Eltern, 11 Bde., 1850–64; Philipp Lang, Kammerdiener K. Rudolfs II. Eine Kriminalgeschichte aus dem Anfang des 17. Jh., 1851; Beiträge zur Geschichte Wallensteins, 1855; Französ. Feindseligkeiten gegen das Haus Österr. zur Zeit K. Ferdinands II., 1859; Bild einer christlichen Fürstin. Maria, Erzhgn. zu Österr., Herzogin von Baiern, 1860; Wallensteins vier letzte Lebensjahre, 1862; Kirche und Protestantismus. Zwei Kapitel aus August Nicolas philosoph. Stud. über das Christentum, 1864; K. Ferdinand II. Sein Hinscheid, seine Regenten-Tätigkeit, seine Eigenschaft, seine Familie und sein Hof, 1865; etc.
L.: Geburt und Wiedergeburt, 3 Tle., 1845, Tl. 4, 1867 (Autobiographie); H. v. Hurter, F. v. H., k.k. Hofrat und Reichshistoriograph und seine Zeit, 2 Bde., 1876–77; G. Wolf, F. H. bis um die Zeit seiner Konversion, in: Z. für Schweizer. Geschichte, Bd. 9, 1929, S. 276–325, 385–443; G. Köstler, F. v. H.s historiograph. Tätigkeit seit seiner Konversion 1844–65, Diss. Wien, 1937; D. A. Rosenthal, Konvertitenbilder aus dem 19. Jh., Bd. I, Abt. 2, 3. Aufl. 1892, S. 284ff.; H. v. Srbik, Geist und Geschichte vom dt. Humanismus bis zur Gegenwart, Bd. 2, 1951, S. 55–57; P. Vogelsanger, Weg nach Rom ? F. H.s geistige Entwicklung im Rahmen der romant. Konversionsbewegung, 1954; Der Krystall. Beilage zur österr. Furche vom 26. 3. 1955; Wort und Wahrheit 10, 1955, S. 77f.; Buchberger; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; Enc. Catt.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 11, 1961), S. 14
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