Joseph, Carl Ludwig Erzhg. von Österr. (1833-1905), Feldmarschalleutnant

Joseph Carl Ludwig, Erzherzog von Österreich, General. * Preßburg, 2. 3. 1833; † Fiume (Rijeka), 13. 6. 1905. Jüngster Sohn des Vorigen und der Maria Dorothea, Herzogin von Württemberg. Trat nach sorgfältiger Erziehung in den milit. Dienst und wurde – zuerst der Inf., dann der Kav. zugeteilt – 1848 Mjr., 1852 Obstt., 1855 Obst., 1857 GM, 1866 FML, 1874 Gen. der Kav. Vorerst in Böhmen stationiert, verbrachte J. dann einige Jahre in den Garnisonen Italiens und legte in dieser Zeit in Padua die Prüfungen zum Dr.med. ab. Später nach Linz versetzt, wurde er von dort 1866 als Brigadier zur Nordarmee berufen, nahm an den Gefechten von Skalitz und Schweinschädel teil, wo er sich durch große Umsicht und Tapferkeit auszeichnete und an Stelle des schwerverwundeten Gf. Festetich das Kmdo. des IV. Korps übernahm. Nach dem Ausgleich von 1867 und der Einführung der allg. Wehrpflicht in der österr.-ung. Monarchie wurde J. mit der Aufstellung, Organisation und dem Oberkmdo. der Honvéd, der neuen k.u. Landwehr, betraut. Durch seine Bemühungen wurde diese zu ciner vollwertigen Truppe, die sich im Ersten Weltkrieg auch bewährte. Neben seinen milit. Aufgaben widmete sich J. dem Stud. der Sprache und Ethnographie der Zigeuner und verfaßte eine Grammatik sowie ein Wörterbuch der Zigeunersprache. In seinen Arbeiten, die volle Anerkennung bei den Gelehrten, besonders bei der ung. Akad. d. Wiss. fanden, führte er die Zigeunersprache auf das Sanskrit zurück. Weniger erfolgreich war er in seinem Bestreben, die Zigeuner seßhaft zu machen, da diese nach kurzer Zeit ihre Wohnsitze wieder verließen. Verdient um die Freiw. Feuerwehren Ungarns, entwarf J. selbst Vorschriften für diese, entfaltete auch eine reiche karitative Tätigkeit und gestaltete seinen Landsitz Alcsúth (Kom. Fejér) zu einer Musterwirtschaft, von der manche Anregungen für landwirtschaftliche Reformen ausgingen. J., ein Förderer aller künstler. und wiss. Bestrebungen, betrieb selbst beachtenswerte botan. sowie prähist. Stud. und war u. a. Dr.h.c. der Univ. Budapest, Dions- und Ehrenmitgl. der Ung. Akad. d. Wiss., Ehrenmitgl. der Anthropolog. Ges. Wien und Inhaber zahlreicher Auszeichnungen, u. a. Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ und Träger des k.u. St. Stephansordens.

W.: Romano csibakero siklaribe (Ztgeunergrammatik), 1888; Eredeti cigánylevelek (Originale Zigeunerbriefe), 1888; A cigányokról (Über die Zigeuner), gem. mit H. Wlislocki, 1894; Hrsg.: J. M. Koritschyák, Fundamentum linguae Zingaricae, gem. mit E. P. Thewrewk, 1888; etc.
L.: Leopoldina, H. 41, 1905, S. 62; Dt. Rundschau für Geographie und Statistik, Jg. 27, 1905, S. 472; Mitt. der Anthropolog. Ges. Wien, Bd. 36, 1906; G. Ortutay, J. föherceg és családjá (Erzh. J. und seine Familie), 1910; Wurzbach; Biograph. Jb. 1907; Szinnyei; Révai 11.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 134f.
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