Jurčič, Josip (1844-1881), Schriftsteller und Journalist

Jurčič Josip, Schriftsteller und Journalist. * Mulun b. Obergurk (Muljava/Krka, Unterkrain), 4. 3. 1844; † Laibach, 3. 5. 1881. Sohn eines Bauern, Fuhrmanns und Branntweiners; stud. 1865–67 an der Univ. Wien klass. Philol. J., der schon als Gymnasiast Aufsätze und Erzählungen für Janežič’ (s. d.) „Slovenski glasnik“ geschrieben hatte, gab wegen finanzieller Schwierigkeiten sein Stud. auf und arbeitete ab 1868 bei „Slovenski narod“ in Marburg. Für seine weitere Entwicklung waren von großem Einfluß Levstiks Richtlinien für die slowen. erzählende und dramat. Literatur in dem Essay „Popotovanje iz Litije do Čateža“ (Die Reise von Littai nach Tschatesch), 1858, deren Verwirklichung J. anstrebte. Als erste Unterlage dienten ihm Volkssagen und Volksmärchen, die er selbst sammelte und die er meisterhaft und originell in seinen Erzählungen zu verwenden wußte. Als er sich mit den Werken W. Scotts u.a. vertraut machte, vertieften sich frühere Anregungen und er wurde einer der führenden Erzähler seiner Zeit. J.s Aufenthalt in Wien bildete in seinem Schaffen eine sehr fruchtbare Zeitspanne, in der er u.a. seinen und den ersten slowen. Roman überhaupt, „Deseti brat“ (Der zehnte Bruder), 1866/67, vollendete. Hintergrund, Milieu und Personen des Romans, der zu einem Volksbuch wurde, sind mit autobiograph. Zügen gezeichnet. 1865 gab J. gem. mit Celestin und Marn den Almanach „Slovenska vila“, 1866 mit Stritar und Levstik die Gedichte Prešerens, 1868 den Almanach „Mladika“ heraus, 1870 war er Mitarbeiter bei Stritars „Zvon“ und bei der Redaktion der jugoslaw. nationalen „Südslavischen Zeitung“ in Sisak, 1871–81 Hauptredakteur des „Slovenski narod“, 1876–80 Gründer und Hrsg. der „Slovenska knjižnica“, einer period. Smlg. größerer belletrist. Werke der Heimat- und Weltliteratur. Als Stritar genötigt wurde, „Zvon“ einzustellen, half J. eine neue literar. Z., „Ljubljanski zvon“, gründen (1881).

W.: Spomini na deda (Erinnerungen an Großvater), in: Novice, 1863; Jurij Kozjak, slovenski janičar (J. K., der slowen. Janitschar), 1864; Domen (Damianus), in: Slovenski glasnik, 1864; Tihotapec (Der Schmuggler), ebenda, 1865; Dva prijatelja (Zwei Freunde), in: Slovenska vila, 1865; Hči mestnega sodnika (Die Tochter des Stadtrichters), in: Slovenski glasnik, 1866; Deseti brat (Der zehnte Bruder), 1866/67; Cvet in sad (Blüte und Frucht), 1868, 1878; Sosedov sin (Der Nachbarssohn), in: Mladika, 1868; Dr. Zober, 1876; Lepa Vida (Die schöne Vida), in: Zvon, 1877; Rokovnjači (Landstreicher), in: Ljubljanski zvon, 1881 (unvollendet); Dramen: Tugomer, 1876 (gedruckt wurde jedoch die radikale Umarbeitung von Levstik, das Original erschien erst in J.s ges. Werken); Veronika Deseniška (V. v. D.), 1876; etc. F. Levec, Ges. Werke, 10 Bde., 1882–92; I. Prijatelj, Ges. Werke, 5 Bde., 1919–27, unvollendet; M. Rupel, Ges. Werke, 1947. 2. Aufl. 1961; I. Grafenauer, Ausgewählte Werke, 10 Bde., 1917–23.
L.: Slovenski narod vom 5. 5. 1881; A. Slodnjak, Pregled slov. slovstva (Überblick über die slowen. Literatur), 1934; A. Slodnjak, Zgodovina slovenskega slovstva (Geschichte der slowen. Literatur) II, 1959; ders., Geschichte der slowen. Literatur, 1958; SBL 1; Nar. Enc. 2.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 155
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