Jury, Hugo (1887-1945), Politiker und Mediziner

Jury Hugo, Politiker und Mediziner. * Mähr. Rothmühl (Moravská Radiměř, Mähren), 13. 7. 1887; † (Wien?) 1945 (Selbstmord). Sohn des Oberlehrers Hugo J. Stud. an der Univ. Prag Med., 1911 Dr.med. Während seines Stud. war J. Mitgl. der nationalen Burschenschaft Ghibellinia. Nach vorübergehender Tätigkeit als Schiffsarzt beim österr. Lloyd und mehreren großen Seereisen wurde er 1913 Distriktarzt in Frankenfels, Bez. St. Pölten. In St. Pölten ließ er sich als Spezialist für Tuberkulose 1919 endgültig nieder und betätigte sich im Rahmen der niederösterr. Heimwehr, von der er 1931 zur NSDAP übertrat. 1932/33 Fraktionsführer der nationalsozialist. Gemeinderäte in St. Pölten, wurde er nach 1933 dreimal inhaftiert und war seit Herbst 1936 Stellvertreter des Landesleiters der illegalen NSDAP in Österr. Am 20. 2. 1937 zur Befriedigung der sogenannten nationalen Opposition durch Bundeskanzler K. v. Schuschnigg in den Staatsrat berufen, betätigte er sich nicht nur als Mitgl. des sogenannten Siebenerausschusses sondern auch als volkspolit. Referent und verhandelte wiederholt zwischen 9. und 11. März mit Schuschnigg. In der Regierung Seyss-Inquart Min. für soziale Verwaltung, wurde er am 24. 5. 1938 Gauleiter und Landeshptm. von N.Ö. und 1940 Reichsstatthalter von Niederdonau. Ferner übernahm er im März 1939 die Leitung der Parteiverbindungsstelle beim Reichsprotektorat in Böhmen und Mähren. 1943/44 war J. wiederholt als Gauleiter von Wien von Hitler in Erwägung gezogen worden.

W.: Die Ostmark, in: Das größere Reich, 1943, S. 20–36.
L.: Völk. Beobachter (Wr. Ausgabe) vom 25. 5. 1938; St. Pöltner Ztg. vom 2. 7. 1938; K. Schuschnigg, Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot, 1946; F. Langoth, Kampf um Österr., 1951; L. Jedlicka, Ein unbekannter Bericht Kaltenbrunners über die Lage in Österr. im September 1944, in: Österr. in Geschichte und Literatur, Jg. 4, 1960, H. 2, S. 82–87; Briefwechsel Bormann-Jury 1943–44 bezüglich Gauleiter-Besetzung in Wien, Fotokopien im Österr. Inst. für Zeitgeschichte, Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 157f.
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