Kafka, Eduard Michael; Ps. Siegwin Freimuth (1864-1893), Schriftsteller und Redakteur

Kafka Eduard Michael, Ps. Siegwin Freimuth, Schriftsteller und Redakteur. * Wien, 11. 3. 1864; † Brünn, 3. 8. 1893. Ursprünglich für einen prakt. Beruf bestimmt, besuchte K. die Webereischule in Brünn, stud. später jedoch Staatswiss., Kunstgeschichte und Phil.; ab 1888 war er vor allem als Schriftsteller tätig. In Verbindung mit H. Bahr (s. d.) wurde er 1889/90 Mitbegründer der Ms. „Moderne Dichtung“ in Brünn, die im 2. Jg. als Halbms. „Moderne Rundschau“ in Wien erschien und sich unter Mitarbeit von einigen der bekanntesten Dichter und Schriftsteller jener Zeit der Darstellung des modernen Lebens überhaupt, besonders aber den neuen Literaturbestrebungen dienstbar machte. K. war auch Mitredakteur der Halbms. „Moderne Dichtung“, Berlin, und der „Allgemeinen Kunstchronik“, Wien. 1892 übersiedelte K. wieder nach Brünn, wo er bis zu seinem frühzeitigen Tod verblieb. Seine volkswirtschaftlichen Interessen, 1888/89 namentlich geltend gemacht, bekundete er auch später noch mit einem Bekenntnis zum Sozialliberalismus und dessen Lösung der sozialen Frage ohne jede staatliche oder gesellschaftliche Einwirkung, nur aus dem Grundsatz völliger individueller Freiheit. Im Hinweis auf die Übel und Schwächen seiner Zeit, jedoch auch auf die gleichzeitig in ihnen gelegenen Triebfedern zu ihrer Beseitigung, die K. vom Naturalismus im rechten Licht enthüllt fand, warnte er eindringlich vor einem „Kultus der Nerven“ und trat für eine gesunde Kulturentwicklung ein.

W.: Hans Kudlich und die österr. Bauernbefreiung, 1888; Wirtschaftsgeschichtliche Stud., 1889; Hieroglyphen (moderne Märchen), 1890; Der Individualismus, 1891.
L.: Tagesbote aus Mähren und Schlesien vom 3. und 4. 8. 1893; Brümmer; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Kürschner, 1884; Nagl–Zeidler–Castle, s. Reg.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 170
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