Kahane, Arthur (1872-1932), Dramaturg und Schriftsteller

Kahane Arthur, Dramaturg und Schriftsteller. * Wien, 2. 5. 1872; † Berlin, 7. 10. 1932. Literar. zunächst mit wirklichkeitsnahen Liedern hervorgetreten, hatte K. sich schon frühzeitig mit großer Vorliebe dem Theater zugewandt. Nach einer schicksalhaften Begegnung mit M. Reinhardt wurde er für jahrzehntelange Dauer dessen Dramaturg am „Deutschen Theater“ in Berlin und verband als solcher sachliche Kritik und hohe Wertansprüche mit menschlichem Verständnis für Schauspieler und Schauspielschüler. Dies bestätigt auch das schriftsteller. Bekenntnis des „Theatermannes“, das den Willen zu echter Kunst und klarsichtiges, die Probleme des Theaters in Lebensnähe durchdringendes Denken erweist. Bevorzugte bewußt die untrügliche Wirkung der einfachen Menschlichkeit gegenüber der großen Geste, wie er selbst z. T. wörtlich sagt. Als Historiograph der Familie Thimig würdigte K. besonders auch die Bedeutung des Wr. Burgtheaters und erkannte es zugleich mit dem Wirken M. Reinhardts als eines der beiden entscheidenden Phänomene der dt. Bühnengeschichte. Neben der dramaturg. Tätigkeit und der Veröff. eigener Werke, von denen besonders die essayist. Prosa zu nennen ist, war K. auch Hrsg. der „Blätter des deutschen Theaters“ und der Z. „Das junge Deutschland“.

W.: Lieder, 1910; Clemens und seine Mädchen (Erzählungen), 1918; Willkommen und Abschied (Gedichte), 1919; Die Tarnkappe (Gedichte), 1920; Der Schauspieler (Roman), 1925; Theater. Aus dem Tagebuch des Theatermannes (Essays), 1930; Die Thimigs. Theater als Schicksal einer Familie, 1930; Das Judenbuch, 1931; Bearbeitung: Hans Häschen oder die Kraft der Stimme (Novelle aus der Bibel), o. J.
L.: F. Horch, Reinhardts Dramaturg, in: Die Szene, Jg. 22, 1932; Buchbesprechungen, in: Die Literatur, Jg. 33, 1930, S. 112, 233; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Kürschner, 1922 ff. und Nekrolog; Nagl–Zeidler–Castle, s. Reg.; Jüd. Lex.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 173
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