Kahn, Josef (1839-1915), Fürstbischof

Kahn Josef, Fürstbischof. * Döllach (Kärnten), 11. 4. 1839; † Tanzenberg (Kärnten), 15. 2. 1915. Bergbauernsohn. Stud. ab 1860 am Grazer Priesterseminar und an der theolog. Fak. der Univ. Graz, 1863 Priesterweihe, 1864 Jurisdiktionsprüfung und Kaplan in Weiz, 1865 Adjunkt und Studienpräfekt am Priesterseminar in Graz, 1869 Religionsprof. an der Oberrealschule Graz, 1869 Supplent für Dogmatik, 1877 für Bibelstud. an der Univ. Graz, 1871 Dr.theol., 1882 Regens des Knabenseminars, 1883 Domherr, 1887 Fürstbischof von Klagenfurt-Gurk, 1910 resigniert. K., bereits in Graz karitativ tätig, regte dort die Gründung des Odilienver. zur Gründung und Erhaltung einer Blinden-Erziehungs- und Versorgungsanstalt in Graz an, dessen erster Obmann er wurde. In Klagenfurt suchte er vorerst den Priestermangel durch Berufung slaw. Priester zu beheben, errichtete jedoch schon 1889 das Knabenseminar „Marianum“, um den einheim. Priesternachwuchs zu fördern, und unterstützte den Bau des Konviktes „Josefinum“ in St. Paul i. L. 1891 gründete K. den St. Josef-Ver. als Träger einer kath. Presse, der in der Folge durch Neubau eines Druckereibetriebes, einer Buchbinderei sowie durch Errichtung eines Buch- und Devotionalienhandels und einer photochem. Anstalt zu einem Großunternehmen wurde. Der Verbreitung kath. Literatur dient auch die 1893 gebildete St. Josef-Bücherbruderschaft, die zum größten kath. Bücherver. der Welt wurde. K., der in religiös.-sittlichen sowie sozialen Fragen auch in die Landtagsverhandlungen eingriff und für nationalen Frieden eintrat, wurde von der liberalen Presse immer wieder angegriffen. Verdient um die Neubegründung oder Neubelebung zahlreicher kirchlicher Niederlassungen, ließ sich K. in den letzten Jahren – nach einem Unfall und leichten Schlaganfällen an Gedächtnisstörungen leidend –, in ungünstige Geldgeschäfte ein, deren Folgen zu seiner Abdankung führten. Geh. Rat, päpstlicher Thronass. und röm. Graf, päpstlicher Ehrenkämmerer.

L.: R.P. vom 20. 7. 1913; Wr.Ztg. vom 15. und 16. 2., N.Fr.Pr. vom 16. 2. 1915; Kath. Kirchenztg., Jg. 1915, n. 7; S. Hahn, Reichsraths-Almanach für die Session 1891/92, 1891; Biograph. Album für den kath. Klerus, 1911; J. Unterluggauer, Bischof Deo gratias. K.s Leben und Werk, 1952; Kosch, Das kath. Deutschland.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 175
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