Kaiser, August (1850-1908), Abgeordneter

Kaiser August, Abgeordneter. * Wien, 28. 6. 1850; † Jauernig (Javornik, Österr. Schlesien), 7. 4. 1908. Widmete sich nach Absolv. des Theresianums philosoph. und jurid., später landwirtschaftlichen Stud. an der Univ. Wien, wo er sich der nationalen Bewegung anschloß. Ab 1878 als Prof. an der landwirtschaftlichen Mittelschule in Oberhermsdorf (Schlesien) tätig, wurde K. 1888 Reichsratsmitgl. Anfangs dem Kreis um Schönerer nahestehend, trat er 1890 zur dt. nationalen Vereinigung über. K., vor allem Vertreter der schles. Kleinbauern sowie des Kleingewerbes, nahm im Reichsrat besonders zu agrarpolit. und nationalen Fragen Stellung. 1897 Obmann der dt. Volkspartei, leitete er den Kampf gegen die Baden. Sprachenverordnungen, die Obstruktion des Klubs und führte die vollständige Trennung von den Alldt. durch, worauf es zu scharfen Konflikten zwischen den Dt.-Radikalen und der dt. Volkspartei kam. 1901 1. Vizepräs, des Abg. Hauses trat K., ein genauer Kenner des Geschäftsganges, für dessen Revision ein, während er sich in der Wahlreformfrage gegen das allg. gleiche Wahlrecht stellte und für das Plural-Wahlsystem sprach. K., ab 1907 Obmann des dt. agrar. Verbandes, wurde wiederholt in die Delegationen sowie in die Quotendeputation entsendet, wo er für eine Festsetzung der Quote auf Grund des Bevölkerungsschlüssels beider Reichshälften eintrat.

L.: N. Fr. Pr. und Wr. Ztg. (Abendpost) vom 8. 4. 1908; Parlamentar. Jb., Jg. 5, 1897. A. Wilhelm, Die Reichsrats-Abg. des allg. Wahlrechtes, 1907.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 181
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