Kalchegger von Kalchberg, Franz Frh. (1807-1890), Politiker

Kalchegger von Kalchberg Franz Frh., Staatsmann. * Schloß Herbersdorf b. Wildon (Stmk.), 2. 8. 1807; † Graz, 12. 7. 1890. Neffe des Folgenden, Bruder des Staatsmannes Josef Frh. K. v. K. (s. d.), Vetter des Off. Wilhelm Frh. K. v. K. (s. d.); absolv. das Gymn. in Marburg a. d. Drau und stud. in Graz und Wien Jus. 1831 trat er beim Hofkriegsrat in den Staatsdienst und wurde dem Generalkmdo. in Pest zugeteilt. 1838 wurde er als erblicher Landstand der Stmk. im steiermärk. Landtag vom Ritterstand zum Ausschußrat und 1840 zum Verordneten gewählt. Als solcher widmete er sich besonders der Grundeinlösung für den Bau der Südbahn durch die Stmk. und der Aufhebung der Grundlasten, für welche er schon im August 1846 dem ständ. Ausschuß einen entsprechenden Antrag überreichte; K. kann somit als der geistige Urheber der Grundentlastung bezeichnet werden. Doch kam es im steiermärk. Landtag vor der Revolution 1848 darüber zu keinem Beschluß. 1848 wurde er als Vertreter der Stadt Graz in die Frankfurter Nationalversmlg. gewählt, doch kehrte er schon am 13. 6. aus Frankfurt wieder nach Graz zurück, um als Vertreter des Herren- und Ritterstandes an den Verhandlungen im provisor. steiermärk. Landtag teilzunehmen, in welchem er sich vor allem mit dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Ablösung der Grundlasten befaßte, welches ganz als K.s Arbeit betrachtet werden muß. Im Dezember 1848 wurde K. vom Min. Schwarzenberg-Stadion nach Wien berufen und am 7. 1. 1849 Ministerialrat im Min. für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten. Am 2. 10. 1849 wurde er zum Präs. der Grundentlastungskomm. für die Stmk. ernannt. Dann übernahm er im Handelsmin. die Leitung der Sektion für die Eisenbahnen, Post und Telegraphen und wurde am 9. 12. 1852 zum Sektionschef und Generaldir. des Kommunikationswesens ernannt. K. erwarb sich große Verdienste durch eine Reihe wichtiger organisator. Neuerungen, besonders im Staatseisenbahnbetrieb, wie u. a. um Neueinrichtung von sieben Betriebsdion., um Erlassung einer Eisenbahn-Betriebsordnung, um Schaffung eines Aufsichtsdienstes (Generalinspektion) für die Kommunikationsanstalten sowie einer Dienstordnung für deren Beamte und Diener. 1853–56 krankheitshalber im zeitlichen Ruhestand. Am 15. 7. 1856 wurde er jedoch wieder in den Staatsdienst als Sektionschef im Finanzmin. und Generaldir. des Grundkatasters aufgenommen. Als solcher präsidierte er einer Komm. zum Entwurf eines neuen Steuergesetzes; zwar wurde der Gesetzentwurf nicht verwirklicht, doch bildeten die grundlegenden Arbeiten dieser Komm. wichtige Grundlagen für spätere Steuergesetze. Am 8. 1. 1861 Unterstaatssekretär im Finanzmin., wurde er jedoch am 24. 2. 1864 infolge Krankheit in den dauernden Ruhestand versetzt. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1859 Geh. Rat, 1861 Frh. Seit 1864 lebte er zurückgezogen in der Stmk.; infolge Krankheit konnte er dem steiermärk. Landtag nur in der Session 1865 als Vertreter des Großgrundbesitzes angehören.

L.: N.Fr.Pr. vom 15. 7. 1890; F. Ilwof, F. Frh. v. K., 1897; Wurzbach; ADB 50; Geschichte der Eisenbahnen der österr.-ung. Monarchie, 1898; Kosch, Das kath. Deutschland; Uhlirz, Bd. 2/1, S. 641, 694; V.A.Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 188f.
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