Kaltenbrunner, Ernst (1903-1946), Politiker

Kaltenbrunner Ernst, Politiker. * Ried i. Innkreis (O.Ö.), 4. 10. 1903; † Nürnberg, 15. 10. 1946 (hingerichtet). Sohn des Rechtsanwaltes Dr. Hugo K. Stud. an der Univ. Graz Jus, 1926 Dr.jur., ab 1928 Rechtsanwaltsanwärter in Linz. 1934 wurde er wegen führender Stellung in der illegalen österr. NSDAP verhaftet und wegen Hochverrates angeklagt. Nach seiner Freilassung im Frühjahr 1935 mit Berufsverbot belegt, übernahm er die Führung der illegalen SS in Österr. 1938 Staatssekretär für Sicherheitswesen in der Regierung Seyss-Inquart und SS-Brigadeführer sowie Führer des SS-Oberabschnittes Donau. Im Zuge der Auflösung der österr. Landesregierung wirkte er als höherer SS- und Polizeiführer bei den Reichsstatthaltern in Wien, Niederdonau und Oberdonau im Wehrkreis XVII und als Generallt. der Polizei ab April 1941 sowie als Mitgl. des Dt. Reichstages ab 1938. 1943 Chef des Sicherheitsdienstes und der Sicherheitspolizei als Nachfolger des SS-Obergruppenführers und Generals der Polizei R. Heydrich. Verantwortlich für den gesamten Amtsbereich seines Vorgängers (Konzentrationslager), besonders aber interessiert für die Aufgaben des geheimen Nachrichtendienstes im Ausland, wurde K. mit der Untersuchung gegen die Beteiligten am Attentat vom 20. 7. 1944 beauftragt. Er versuchte vergeblich, zu Ende des Zweiten Weltkrieges Gespräche über eine vorzeitige Kriegsbeendigung über die Schweiz mit dem Präs. des Internationalen Komitées vom Roten Kreuz, Prof. Carl J. Burckhardt, sowie mit dem amerikan. Geheimdienst und mit Kreisen der Österr. Widerstandsbewegung anzuknüpfen. Nach einem Gehirnschlag während der Nürnberger Haft trat K. während des Prozesses stellvertretend für seinen Vorgänger Heydrich auf.

L.: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem internationalen Militärgerichtshof Nürnberg, 14. 11. 1945–1. 10. 1946, Bd. 4, 1947, S. 324 ff., Bd. 49, 1949, S. 306 ff.; W. Hagen, Die Geheime Front, 1950, S. 82 ff.; W. Schellenberg, Memoiren, 1959, S. 286; L. Jedlicka, Ein unbekannter Bericht K.s über die Lage in Österr. im September 1944, in: Österr. in Geschichte und Literatur, Jg. 4, 1960, H. 2, S. 82–87; Spiegelbild einer Verschwörung (Die K.-Berr. an Bormann und Hitler über das Attentat vom 20. 7. 1944), 1961; G. M. Gilbert, Nürnberger Tagebuch, 1962, S. 248 ff.; U.A. Graz.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 202f.
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