Kaněra von Tynbrugg, Josef (1854-1914), Verwaltungsbeamter

Kaněra von Tynbrugg Josef, Verwaltungsbeamter. * Oberradechau (Horní Radechová, Böhmen), 6. 3. 1854; † Wien, 1. 10. 1914. Stud. an der Univ. Prag Rechtswiss. und trat 1877 bei der Statthalterei in Prag in den Staatsdienst. 1880 wurde er dem Min. für Kultus und Unterricht zur Dienstleistung zugeteilt, 1897 Ministerialrat, 1901 Sektionschef. 1907 nob. Vom 15. 11. 1908 bis 10. 2. 1909 war er im 1. Min. Bienerth-Schmerling (s. d.) Leiter des Min. für Kultus und Unterricht. Nach seinem Rücktritt übernahm er die Sektion für das Mittelschulwesen. 1910 Geh. Rat, 1911 i.R. Der von K. geleiteten Sektion unterstand das Volksschul- und Lehrerbildungswesen, die Angelegenheiten über die Kultusbauten, das Stiftungswesen sowie die Provisions- und Gnadensachen. Zeitweise waren ihm auch die Mittelschulagenden zugewiesen, in diese Periode fiel speziell die Mittelschulreform. K. hat sich durch legislator. Arbeiten im Zuge der Änderung der Schulgesetze, bei den Vorarbeiten zur Mittelschulreform, auf dem Gebiete der Schulhygiene und der körperlichen Erziehung, sowie bei der Schaffung eines Gesetzes über die Lehrlingsausbildung große Verdienste erworben. Während er das Unterrichtsmin. leitete, erfolgte die Verstaatlichung des Konservatoriums der Ges. der Musikfreunde in Wien, ferner ein die Prüfungen der Privatisten an den Mittelschulen regelnder Erlaß, dann das die Rechtsverhältnisse des Lehrerstandes an den Mittelschulen in Mähren regelnde Gesetz vom 9. 1. 1909 und das Gesetz vom 20. 1. 1909, betreffend die Gehälter der Lehrpersonen an den Volksschulen in der Bukowina.

L.: Wr. Ztg. (Abendpost) vom 1. 10., R.P. vom 2. 10. 1914; Czedik; Otto 28; Verw. A. Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 214
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