Kanitz, Otto Felix (1894-1940), Lehrer

Kanitz Otto Felix, Pädagoge. * Wien, 5. 2. 1894; † KZ Buchenwald (Kreis Erfurt), 29. 3. 1940. Ursprünglich Installateur, interessierte er sich schon als junger Arbeiter für Politik und beteiligte sich bei den Reichsratswahlen 1911 an der Wahlagitation für den sozialdemokrat. Kandidaten M. Winter. Nach dem Ersten Weltkrieg fand er durch M. Winter als Funktionär in dem 1911 gegründeten „Arbeiterverein Kinderfreunde in Niederösterreich“Aufnahme. 1919 errichtete er in verlassenen Kriegsbaracken in Gmünd die erste „Kinderrepublik“ in Österr. Er brachte dort 500 sozialgefährdete Kinder zur vierwöchigen Erholung unter und versuchte in der Form einer Selbstverwaltung durch Einrichtung eines „Kinderparlamentes“ eine Schulung der Kinder für die Demokratie. Fast gleichzeitig wurde in einigen Räumen im Schloß Schönbrunn ein Kinderheim für 20 Kleinkinder und 100 gefährdete Schulkinder unter Leitung von A. Tesarek errichtet. K. verband mit diesem Kinderheim eine zuerst zwei-, später dreijährige Schule zur Ausbildung von Erziehern für die „Kinderfreunde“. Durch Selbststud. 1922 Dr.phil. an der Univ. Wien, 1932 Bundesrat; 1921–34 Schriftleiter der neu gegründeten Ms. „Die sozialistische Erziehung“. Mit K. verlor die österr. Arbeiter- und Kinderfreundebewegung einen hochbegabten Erzieher, Organisator, Schriftsteller und Politiker.

W.: Das proletar. Kind in der bürgerlichen Ges., 1925; Kämpfer der Zukunft, 1928; etc.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 216
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