Kapper, Siegfried (1821-1879), Schriftsteller

Kapper Siegfried, Dichter und Schriftsteller. * Smíchov b. Prag, 21. 3. 1821; † Pisa, 7. 6. 1879. Kam nach Besuch des Gymn. und des Klementinums in Prag 1841 nach Wien und stud. hier Med. 1847 Dr.med., 1851 Dr.chir.; 1847 ging er als Arzt nach Karlstadt (Kroatien); während des dortigen Aufenthaltes und der Reisen auf dem Balkan widmete er sich auch südslaw. Forschungen, beeinflußt von V. Karadžić und I. Mažuranić, unterstützt von der einheim. Bevölkerung. 1848 nach Wien zurückgekehrt, nahm er an der Revolution teil. Hier und später in den südslaw. Ländern und Polen betätigte sich K. hauptsächlich journalist. Ab 1854 wirkte er wieder als Arzt in Dobirs b. Prag. 1859 nahm er als Arzt freiwillig an dem Feldzug in Piemont und in der Lombardei teil. 1860 ging er nach Jungbunzlau und wurde dort in den Stadtrat berufen. Ab 1867 war er wieder prakt. Arzt und zugleich Schriftsteller in Prag. 1875 an einem Lungenleiden erkrankt, starb er vier Jahre später während einer Italienreise. Schon zur Zeit seiner Stud. hatte K. in dt. und tschech. Sprache gedichtet und im Freundeskreis von F. Bach, M. Hartmann (s. d.) und A. Meißner hiezu auch persönliche Anregungen empfangen. Später widmete er sich vor allem der Übers. und Nachdichtung slaw. Volkspoesie. Er war tatkräftig bestrebt, durch Förderung gegenseitigen Verständnisses auf dem Wege der Literatur zu einer stärkeren Verbundenheit der dt. Bevölkerung mit den slaw. Völkern des alten Österr. beizutragen. Mehrere seiner Gedichte wurden vertont.

W.: Slaw. Melodien (Gedichte), 1844; České listy (Böhm. Bll.), Gedichte in tschech. Sprache, 1846; Befreite Lieder, 1848; Lazar, der Serbenzar, später: Fürst Lazar (Epos), 1851; Südslaw. Wanderungen, 1851; Die Gesänge der Serben, 1852; Herzel und seine Freunde (Bilder aus dem böhm. Schulleben), 1853; Falk (Erzählung), 1853; Christen und Türken (Reisebilder), 1854; Vorleben eines Künstlers (Roman), 1855; Die Handschriften von Königinhof und Grünberg (Altböhm. Poesien aus dem 10.–12. Jh.), 1859; Das Böhmerland (Wanderungen), 1863; Märchen aus dem Küstenlande, 1865; Serb. Nationalpoesie, 1871; Gusle (Serb. Gedichte), 1874; Prager Ghettosagen, 1876; etc.
L.: Vienac 5, 1873, n. 21; Rad Jugosl. Akad. znan. i umjet., 216, 1917, S. 170–217; Liječnički vjesnik 53, 1931, n. 4; Obzor, 1934, n. 248 (mit Werksverzeichnis); Jevrejski glas, 1938, n. 3; O. Donath, S. Ks. Leben und Wirken, in: Archiv für slaw. Philol., Jg. 30, 1909; J. Krejčí, Příspěvky k poznání básnické činnosti S. K. — a (Beitrr. zur Kenntnis des dichter. Schaffens S. Ks.), 1911; ders., Z rukopisné pozůstalosti S. K. — a (Aus dem handschriftlichen Nachlaß S. Ks.), in: Vlčkův sborník, 1920; Brümmer; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; J. Nadler, Literaturgeschichte der dt. Stämme und Landschaften, Bd. 4, 1941, S. 135; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, 4, s. Reg.; Wurzbach; ADB 50; Nar. Enc.; Otto 13, Erg.-Bd. IIΙ/1; U. A. Wien (*1820).
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 225
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