Kapsch, Georg (1873-1934), Bautechniker

Kapsch Georg, Techniker. * Wien, 18. 12. 1873; † München, 20. 1. 1934. Wirkte 1891–97 bei der Brückenbauanstalt R. Ph. Waagner in Wien, nach kurzer Tätigkeit (1898/99) bei der Österr. Alpinen Montanges., 1899–1918 bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, zuletzt als bevollmächtigter Obering. im Stahlbrückenbau. Mitte 1918 übernahm er als techn. Prokurist die Leitung des gesamten techn. Büros bei Harkort in Duisburg. 1919–28 o. Prof. für Brückenbau an der Techn. Hochschule in Graz, 1927/28 Rektor. 1928–34 o. Prof. für Statik der Baukonstruktion und Eisenbau in der Bauing. Abt. der Techn. Hochschule München. K. veröff. schon früh bedeutende wiss. Abhh., die sich mit elastizitätstheoret. Arbeiten und der Lösung theoret. und konstruktiver Probleme des Stahlbrückenbaues und Beschreibung von ihm entworfener neuartiger Brücken befassen. Seine wesentlichen schöpfer. Leistungen liegen jedoch in seiner Tätigkeit als Brückenbauer. K., der seine Kenntnisse durch Selbststud. erworben hatte, gründete eine eigene Schule des konstruktiven Stahlbaues, aus der eine Reihe von heute in hervorragenden Stellungen tätigen Schülern hervorgegangen sind (K. Sattler, W. Pelikan, H. Beer u.a.). Er beherrschte meisterhaft Theorie und prakt. Durchführung sämtlicher Aufgaben seines Faches und machte sich um Fortschritte und Forschungen auf seinem Arbeitsgebiet hochverdient. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u.a. Dr. techn. h.c. der Techn. Hochschule Stuttgart; Berufungen nach Karlsruhe und Prag lehnte er ab.

W.: Brückenentwürfe: Brücken- und Viaduktbauten für die Hochbahn, Hamburg (und Leitung der Ausführung); Verzweigungsbauwerke der elektr. Hochbahn, Berlin; Hafenbrücke, Sydney (Spannweite 500 m); Straßenbrücke über den Rhein zwischen Ruhrort und Homberg (Brückenobjekt von 600 m Länge, mit einer Mittelöffnung von 203 m, der damals größten Spannweite eines Balkenträgers auf dem europ. Festland); Rheinbrücke, Köln; Eisenbahnbrücke über die Maas bei Visé; Wiederherstellung der Donaubrücke bei Cernavoda; Wiederherstellung der zweigleisigen Eisenbahnbrücke über die Düna, Riga; Entwürfe für die Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Duisburg und über die Aostabucht in Stockholm; Weichselbrücke, Thorn; Begutachtung und Führung des Konstruktionsentwurfes für die neue Straßenbrücke über den Rhein in Köln-Mühlheim, der ersten großen Hängebrücke des europ. Kontinents mit einer freien Mittelstützweite von 315 m; etc. Publ.: Über die Stoßdeckung zusammengesetzter Stäbe in Eisenkonstruktionen, in: Z. für Architektur und Ingenieurwesen, 1904, H. 4, S. 407–22; Theorie einer speziellen Art von Querrahmen bei Bogenbrücken, in: Österr. Ws. für den öffentlichen Baudienst, 1908, H. 1, S. 1–16, 2 Tafeln; Über Nietteilung in Blechträgern, ebenda, 1908, H. 45, S. 1–4; Beitr. zur Ermittlung der Durchbiegung stat. unbestimmter Systeme, 1917, 14 Abb., 2 Tafeln; Über eine besondere Art von Nebenspannungen in Fahrbahnkonstruktionen von Eisenbahnbrücken, in: Der Bauingenieur 3, 1922, S. 673–79, 712–19, 746–54; Die Auflösung fünfgliedriger Elastizitäts-Gleichungen und ihre Beziehung zum durchlaufenden Träger auf elast. Stützen, in: Z. für Bauwesen, 1924, S. 47–58, S. 80–86; Formen des gewalzten Flußstahls, in: Grundlagen des Stahlbaues, hrsg. von G. Schaper, 6. Aufl., 1933, S. 54–68; etc.
L.: Z. des Österr. Ing.- und Architektenver., 1961, H. 9/10, S. 61/162; Mitt. H. Rüsch, München.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 227f.
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