Kauders, Otto (1893-1949), Neurologe und Psychiater

Kauders Otto, Neurologe und Psychiater. * Wien, 18. 6. 1893; † Wien, 6. 8. 1949. Sohn des Internisten Dr. Josef K. Stud. an der Univ. Wien Med., 1920 Dr.med. 1920–24 Sekundararzt, später Ass. an der psychiatr.-neurolog. Univ. Klinik in Wien. 1930 auf Grund von Arbeiten über psych. Hygiene zum I. Internationalen Kongreß für psych. Hygiene in Washington als Vertreter Österr. eingeladen. 1932 Priv. Doz. für Nerven- und Geisteskrankheiten an der Univ. Wien. 1934 Primarius der neurolog. Abt. an der Poliklinik Wien und im gleichen Jahr Primarius der neurolog. Abt. im Versorgungsheim Lainz. 1935 ao. Prof. für Psychiatrie und Neurol. an der Univ. Graz, Mitgl.des obersten Sanitätsrates für Österr. 1938 aus polit. Gründen seines Amtes enthoben, wurde er 1939 nach den USA eingeladen und arbeitete einige Zeit an einem psychiatr. Spital in Buffalo (N. Y.). 1945 wieder Prof. an der Univ. Graz. Ab August 1945 suppl. Leiter der Wr. neurolog.-psychiatr. Univ. Klinik. 1946 o.Prof. und Vorstand der neurolog.-psychiatr. Univ. Klinik Wien. 1948 nahm er als Vizepräs. am International Congress on Mental Health in London teil. K. war einer der engsten Mitarbeiter Wagner-Jaureggs, und als solcher beschäftigte er sich vor allem intensiv mit den Problemen der Malariatherapie, wie seine Arbeiten über die Behandlung der Tabes und Poliomyelitis mit Malariakuren zeigen. K., dessen wiss. Wirken auch von Economo (s. d.) und Schilder stark beeinflußt war, interessierte sich besonders für die Veränderungen des endokrinen Systems. Er wertete die Keimdrüsentherapie des Mannes aus und prägte den Begriff der Pubertas praecox. Als sich K. der psych. Hygiene zuwandte, wurde er zum Bahnbrecher auf diesem damals noch ziemlich unerforschten Gebiet. K., der 1949 ausgedehnte Studienreisen nach den USA unternahm, wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1948 Honorary Member of the American Psychiatric Association, Mitgl.der Schweizer.-Ges. für Psychiatrie, Vorstand des Ver. für Psychiatrie und Neurol. in Wien, Vorsitzender des Arbeitsausschusses der österr. Ges. für psych. Hygiene, Präs. der österr.-amerikan. Ges.

W.: ca. 100 wiss. Arbeiten, u.a. Lehrbuch der Hypnose, gem. mit P. Schilder, 1926; Über die Malariabehandlung der Tabes dorsalis, gem. mit H. Hoff, in: Z. für die gesamte Neurol. und Psychiatrie, Bd. 104, 1926; Kurzer Leitfaden der Malariatherapie auf Grund klin. Beobachtung und experimenteller Stud., gem. mit B. Dattener, 1927; Keimdrüse, Sexualität und Zentralnervensystem, 1928; Zur Klinik und Analyse der psychomotor. Störung, 1931; Vegetatives Nervensystem und Seele, 1946, 3. Aufl. 1947.
L.: Neues Österr. und Wr. Tagesztg. vom 9. 8., Kleines Volksbl vom 9. 8. und 13. 8. 1949; WMW, Jg. 99, 1949, S. 501; Wr.Z. für Nervenheilkde., Jg. 2, 1949, S. 379; Wr. klin. Ws., Jg. 61, 1949, S. 541; Feierl. Inauguration, 1949/50; Mitt. der neurolog.-psychiatr. Univ. Klinik, Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 267f.
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