Kautsky, Wilhelmine (Minna); geb. Jaich (1837-1912), Schriftstellerin und Schauspielerin

Kautsky Wilhelmine (Minna), geb. Jaich, Schauspielerin und Schriftstellerin. * Graz, 11. 6. 1837; † Berlin, 21. 12. 1912. Mutter des Vorigen und des Theatermalers Hans K. (s. d.). Älteste Tochter des Theatermalers A. Jaich, der 1845 nach Prag übersiedelte; sie wollte Schauspielerin werden, durfte aber nur gelegentlich auf dem Liebhabertheater zu St. Nikolaus und am Prager Stadttheater auftreten. 1854 heiratete sie den akad. Maler Jan K. (s. d.), ging dann als Schauspielerin nach Olmütz und 1855 an das dt. Theater in Prag, 1860 nach Sondershausen und Berlin, 1861 an das böhm. Landestheater in Prag. 1862 mußte sie die Theaterlaufbahn wegen eines Lungenleidens aufgeben; ab 1863 lebte sie in Wien als Schriftstellerin, ab 1900 in Berlin. Als in Wien der Ver. der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen (1885) gegründet wurde, war sie provisor. Vizepräs. Vor allem für soziale Probleme interessiert, gehörte sie zu den Hauptmitarbeitern des „Österreichischen Arbeiterkalenders“, der als sozialist. Z. der geeinten Partei von 1897–1924 erschien. K. verbreitete den Ruf des „Bauernphilosophen“ K. Deubler (s. d.), der sich in seinen polit. Auffassungen dem Sozialismus näherte.

W.: Madame Roland (hist. Drama), 1878; In der Wildnis (Lustspiel), 1882; Sie schützt sich selbst (Lustspiel), 1892; Die Eder-Mitzi (Volksstück), 1895; Romane: Stephan von Grillenhof, 1881, 2. Aufl. 1882; Herrschen oder Dienen, 1882; Die Alten und die Neuen, 1884; Viktoria, 1888; Helene, 1894; Im Vaterhause,1904; Die Leute von St. Bonifaz, 1909; etc.
L.: Brümmer; H. Groß, Dt. Dichterinnen und Schriftstellerinnen in Wort und Bild, Bd. 3, 1885; Kürschner; Nagl–Zeidler–Castle, s. Reg.; Frauenbewegung, Frauenbildung und Frauenarbeit in Österr., hrsg. vom Bund österr. Frauenver., 1930, S. 321; Eisenberg; Kürschner, 1936; Lex. der Frau; M. Juchacz, Sie lebten für eine bessere Welt, 1956, S. 36.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 13, 1963), S. 275f.
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