Kerchnawe, Hugo (1872-1949), Generalmajor

Kerchnawe Hugo, General. * Klosterneuburg (N.Ö.), 10. 2. 1872; † Wien, 6. 6. 1949. K., 1892 als Lt. zur Art. ausgemustert, 1896 Oblt., 1899 Hptm., 1909 Mjr., 1912 Obstlt., 1915 Obst., 1925 als GM i.R., wurde nach Absolv. der Kriegsschule 1902 in das Geniestabskorps übernommen, war 1909–11 Gen.-Stabschef der 15. Inf.-Truppendiv. und wirkte 1911–14 als Lehrer für Kriegsgeschichte an der Kriegsschule. Zu Kriegsbeginn dem 2. Art.-Korps zugeteilt, kam K. dann zum Art.-Korps des dt. Gen. der Inf. von Woyrsch, war 1915/16 Kmdt. des Feldkanonenrgt. 16, später 27, dann Art.-Brigadier. Ab 1916 Gen.-Stabschef des Gouvernements Serbien, erwarb sich K. dort große Verdienste um die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, die er dank seiner hervorragenden Verwaltungstätigkeit über den Friedensstand hinaus heben konnte. Nach Kriegsende stand er dem Rücklieferungsbüro des Militärliquidierungsamtes vor. K., Verfasser zahlreicher kriegs- und heeresgeschichtlicher Arbeiten, war 1902–08 der kriegsgeschichtlichen Abt. des Kriegsarchives zugeteilt, wo er sich besonders der Zeit der Franzosenkriege widmete. Er veröff. anonym den aufsehenerregenden utop. Roman „Unser letzter Kampf“, in welchem er das trag. Ende des Weltkrieges vorhersah. Aus seiner reichen militärwiss. Tätigkeit fanden vor allem jene Arbeiten Anerkennung, in welchen er die Ursachen der Erfolge und Niederlagen der alten Armee untersuchte.

W.: Die österr. Relation über die Schlacht von San Martino 1859, in: Streffleur, 1904, S. 1045ff.; Kav.-Verwendung, Aufklärung und Armeeführung bei der Haupt-Armee in den entscheidenden Tagen von Leipzig (2.–14. 10. 1813), 1904; Kolin, 1907; K. Waffen in Schleswig-Holstein und Jütland 1864, 1907; Unser letzter Kampf, das Vermächtnis eines alten Soldaten, 1907; 60 Jahre Österr.-ung. Kav. 1848–1908, 1908; Das Machtaufgebot Österr. im Jahre 1809, in: Streffleur, 1909, S. 571ff.; Aspern, 1910; FM. Fürst Windisch-Graetz und die Russenhilfe 1848, 1910; Die Entwicklung unserer Armee zur Zeit des Erzh. Karl, in: Streffleur, 1912, S. 715ff., 899ff., 1069ff.; FM. Karl Fürst zu Schwarzenberg, gem. mit A. Veltzé, 1913; Der Zusammenbruch der österr.-ung. Wehrmacht im Herbst 1918, 1921; Die unzureichende Kriegsrüstung der Mittelmächte als Hauptursache ihrer Niederlage, in: Österr.-Ungarns letzter Krieg, Erg.-H. 4, 1932; Die Überwindung der ersten Weltrevolution, 1932; Ehrenbuch unserer Art., gem. mit E. Ottenschläger, 2 Bde., 1935–36; Die alte k.k. Militärgrenze. Ein Schutzwall Europas, in: Reihe Südost, Folge 1/21, 1939; 225 Jahre Techn. Milit. Akad. 1717–1942, gem. mit M. Brunner, 1942; Radetzky, eine milit.-biograph. Stud., 1944; Prinz Eugen, eine milit.-biograph. Stud., 1944; etc.; Hrsg.: C. Bigot de Saint Quentin, Schriften, 2 Bde. (Von einem dt. Soldaten; Unsere Armee), 1911.
L.: Wr.Ztg. vom 9. 6. und Die Presse vom 10. 6. und 30. 10. 1949; Jb. der Wr. Ges., 1929; K. A. Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 297f.
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